Zucht und Haltung
Übersicht
A. Lebensweise in der Natur
B. Haltung
1. Das Terrarium
2. Terrarientechnik
3. Einrichtung
4. Überlegungen vor dem Kauf
5. Kauf und Quarantäne
6. Ernährung und praktische Fütterung
C. Handhabung und Pflege
1.„Hand-habung” im wahrsten Sinne des Wortes
2. Reinigung und Hygiene
3. Winterruhe
4. Schlangenkartei
D. Zucht
1. Geschlechtsunterscheidung
2. Paarung und Geburt
3. Farbformen und Genetik
4. Zuchtmethoden
5. Aufzucht der Jungtiere
E. Krankheiten
F. “Sprache “
G. Bisher veröffentlichte Artikel
Mikronährstoffe bei Reptilien
Wie entsteht ein Nährstoffmangel?
Vitamin B1
Vitamin A
Vitamin D
Kalzium
Mikronährstoffe vor der Trächtigkeit
Mikronährstoffe in der Trächtigkeit
Temperaturen während der Trächtigkeit
Zur Ernährung von „Mutter und Kind”
Einige homöopathische Tipps rund um die Geburt
Zur „Giftigkeit” von Strumpfbandnatternbissen
Behandlung einer „Beule” mit Traumeel
Eine Nahrungsergänzung: Nacktschnecken
Einige ganz persönliche Bemerkungen zu Thamnophis sirtalis similis
„Meine Stinte freß’ ich nicht” Teil 1
Empfohlene und verwendete Literatur
Lebensweise in der Natur
Will man ein Tier in Gefangenschaft erfolgreich halten, so ist es immer ganz nützlich, sich anzuschauen, wie das Tier in seiner Heimat lebt. Thamnophis sirtalis und Thamnophis radix, deren Unterarten und Farbformen ich hauptsächlich pflege, kommen aus Gebieten in dem USA, die unseren Klimazonen in Europa entsprechen.
Das heißt, dass sich das Jahr in Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter aufteilt und der Winter die Aktivitätsperiode der Schlangen unterbricht. Das bedeutet zum einen, dass die Fortpflanzung jahreszeitenabhängig abläuft und es bedeutet auch, dass eine Winterruhe für die Schlangen natürlich und in der Regel auch notwendig ist. Viele Unterarten können auch bei uns in einem Freilandterrarium gehalten werden. Dazu habe ich selber keine Erfahrungen, da ich wegen unserer Katzen kein Freilandbecken bauen kann. Wer darüber genauere Informationen sucht, kann sich zum Beispiel an Martin Hallmen wenden. Er hat auch ein Buch über das Thema geschrieben, das im Natur- und Tier- Verlag erschienen ist. Strumpfbandnattern gehören mit einer Größe von etwa 50 Zentimetern Körperlänge für Männchen bis zu zirka 120 cm für ein Weibchen zu den recht handlichen Schlangen. Viele Strumpfbandnattern leben in der Nähe von Gewässern, aber nicht etwa deswegen, weil sie Nässe lieben, sondern nur, weil ihre Beutetiere dort vorkommen. Zu den natürlichen Beutetieren gehören unter anderem Regenwürmer, Frösche, Molche, Egel, eventuell auch Wasserinsekten, sicher werden sie auch einmal einen Fisch oder eventuell eine Maus erwischen.
In der Natur frisst eine Strumpfbandnatter, sobald sich dazu eine Gelegenheit bietet. Fragt man einen Amerikaner nach dem Lebensraum von Strumpfbandnattern bekommt man die Antwort: ” überall “. Sie gelten als Kulturfolger und leben oft in der Nähe oder sogar in menschlichen Siedlungen, die ihnen in ihren Gärten neben vielen Verstecken auch reichlich Beute bieten. Durch ihr markantes Aussehen werden sie auch in der Regel als ungiftig erkannt und nicht getötet. In der Natur haben Strumpfbandnattern viele Feinde, wozu unter anderem Vögel, große Frösche, andere Schlangen, Marder, Füchse und auch Katzen zählen. Letzteres ist auch für die Gefangenschaftshaltung wichtig! Unser Kater hat schon einige Schlangen auf dem Gewissen, und er ist kein Einzelfall!
Da in der Natur viele Feinde von oben angreifen, mögen es Strumpfbandnattern nicht gerne, wenn man sie von oben greift, weshalb alte Aquarien meist ungeeignete „Terrarien” sind.
Das Terrarium
Theoretisch kann man Terrarium aus vielen Materialien herstellen, sie müssen nur DICHT sein. Ich selber halte alle Tiere in Vollglasbecken, die wenn irgend möglich mit Falltüren ausgestattet sind. Bei mir schaffte es selbst noch ein acht Monate altes Jungtier, sich zwischen den geschlossenen Schiebeschreiben durchzuzwängen. Letztendlich gehörte sie zu den glücklichen, ich fand sie schneller als der Kater und sie überlebte den Ausflug. Die Narbe allerdings ist geblieben.
Seitdem lebt bei mir alles bis auf die adulten Weibchen in Falltürbecken, die passgenau in ein Ikea-Regal eingefügt sind. Allerdings haben auch Falltürbecken ihre Tücken. Udo Karkos nennt sie treffenderweise Guillotinebecken… Die Becken der adulten Weibchen sichere ich um die erwartete Geburt herum mit Kreppklebeband.
Wo wir gerade beim Thema ausbrechen sind. Die Warnung steht auf allen Strumpfbandnatternseiten und in jedem Buch. Ich wiederhole sie noch einmal nachdrücklich! Eine Strumpfbandnatter kommt fast überall raus! Niemals provisorische Behälter benutzen, das Geld für ein vernünftiges Terrarium ist gut investiertes Geld. Junge Strumpfbandnattern entkommen aus Faunaboxen problemlos, zwischen Schiebescheiben hindurch sowieso und klettern können sie auch hervorragend!
Die Größe der Terrarien wird immer wieder diskutiert. Wie viele Züchter halte auch ich meine Tiere in deutlich kleineren Becken, als von den Richtlinien vorgeschrieben. Babies ziehe ich in Falltürbecken von 40 cm mal 30 cm mal 30 cm (Länge mal Breite mal Höhe) auf, mit zirka einem Jahr ziehen sie je nach Größe in 40 cm mal 60 cm mal 30 cm Falltürbecken um. Adulte Weibchen haben 80 cm mal 60 cm mal 30 cm für sich. Die geringe Höhe erlaubt mir zum einen, mehrere Becken übereinander zu stellen, zum anderen reichen dann 40-Watt-Strahler als „Heizung” aus.
Auf Grund eigener Erfahrungen hier noch einige Dinge worauf man beim Kauf von Terrarien achten sollte. Unbedingt sollte man einmal vorsichtig alle Kanten insbesondere der Türen abfühlen, bei guten Becken sind diese glatt geschliffen, bei schlechten Becken kann man sich hier durchaus kräftig schneiden. Mindestens genauso wichtig ist es, ob die Türen auch wirklich richtig schließen. Ich habe mir einmal Becken bauen lassen und musste dann feststellen dass selbst bei geschlossenen Türen zum Teil noch ein Spalt von einem halben Zentimeter frei war.
In diesen Becken kann ich nur adulte Weibchen halten, alles andere würde dadurch passen. Ebenso sollte man schon beim Verkäufer ausprobieren, ob sich die Türen auch wirklich problemlos einsetzen lassen. Bei einem zweiten Becken von dem obigen Verkäufer waren die Türen so schlecht zugeschnitten, dass eine beim Einsetzen zerbrach, eine andere Tür saß viel zu locker und fiel wieder heraus. Auch bei Falltürbecken sollte man genau hinsehen….
Terrarientechnik
Unkompliziert sind Strumpfbandnattern im Bezug auf die Terrarientechnik. Ich habe über jedem Becken einen 40- oder 60- Watt Strahler, der ein Drittel des Beckens so erwärmt, das unter dem Strahler zirka 30 bis 35 Grad Celsius erreicht werden. Das wird regelmäßig mit einem Thermometer überprüft, denn diese Temperatur ist für die Strumpfbandnattern unbedingt notwendig, um ihr Futter verdauen zu können. Als wechselwarme Tiere sind sie auf die Temperatureinwirkung von außen angewiesen. Niemals die Strahler im Becken anbringen! Selbst mit Schutzvorrichtungen haben sich viele Tiere schon zum Teil tödlich an diesen Strahlern verbrannt! Der Rest des Beckens ist unbeheizt, sodass sich die Tiere die passende Temperatur selber aussuchen können. Diese Strahler sind je nach Jahreszeit 10
bis 14 Stunden in Betrieb, was sich komfortabel mit Zeitschaltuhren regeln lässt. Wer zum Beispiel tagsüber arbeitet, kann mittels einer Zeitschaltuhr den Tag seiner Strumpfbandnattern so verschieben, dass sie abends noch mehrere Stunden aktiv sind, wenn man nach Hause kommt. Trächtige Weibchen bekommen zusätzlich UV-Bestrahlung, was sich bei mir sehr bewährt hat. Eine einfache UV-Röhre etwa eine halbe Stunde pro Tag oder ein etwa 15- minütiger Aufenthalt draußen in der Sonne ein bis zweimal pro Woche reichen dafür völlig aus. Gerade bei den schwerer nachzuzüchtenden Tieren hat sich das bei mir als eine sehr wirksame Maßnahme erwiesen.
Wichtig ist es, die Temperatur im Terrarium (auch nachts!) immer mal wieder mit einem Thermometer zu überprüfen. Gerade im Sommer kann es sonst für die Tiere auch schnell zu heiß werden. Deshalb darf das Becken auch niemals der prallen Sonne ausgesetzt sein. Andersrum: Frist ein Tier schlecht, sollte man immer zuerst die Temperatur überprüfen, wobei es auch durchaus unterschiedliche individuelle Vorlieben bei den einzelnen Tieren gibt. Bei mir leben zum Beispiel die Pickeringis
in den kühleren Becken direkt überm Fußboden, wo die Sirtalis-Albinos
das Futter verweigerten. Ein anderes Beispiel (siehe Foto): Es fraßen einige Jungtiere in den unteren Becken nicht, wenn ich sie in den darüber liegenden Becken unterbrachte, dagegen schon. Das Thermometer enthüllte eine Differenz von fünf Grad Celsius (!) direkt unter dem Strahler. Der Abstand zwischen diesen Becken beträgt maximal 30 Zentimeter. Die Umstellung auf einen 60 Watt-Strahler für die unteren Becken schaffte sofortige Abhilfe.
Auch können hoch im Raum stehende Becken leicht zu heiß werden und brauchen eventuell gar keine Heizung. Wie war das noch im Physikunterricht? Wärme steigt nach oben!
Wer seine Terrarium bei einem guten Terrarien-Bauer kauft, kann auch davon ausgehen, dass dieser sich mit der Belüftung von Terrarien auskennt, und 2 genügend große Lüftungsflächen, eine vorne am Becken und eine oben, eingebaut hat. Die Luft im Terrarium erwärmt sich durch die Strahler, steigt nach oben und entweicht durch die obere Lüftung. Dabei zieht sie durch die vordere Belüftungsfläche frische Luft nach. Ich verwende keine anderen Wärmequellen als diese einfachen Strahler. Heizsteine können leicht zu heiß werden und eventuell sogar zu Verbrennungen führen. Ich machte bei mir die Beobachtung, dass Weibchen, die einen Heizstein im Terrarium hatten, nur Wachseier zur Welt brachten. Das Thema Temperatur ist also durchaus diffizil.
Einrichtung
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, ein Becken einzurichten. Gerade, wer sein Becken im Wohnzimmer hat, denkt an eine möglichst naturgetreue Nachbildung des Lebensraumes oder gar an ein Aquaterrarium oder Paludarium, wie es immer noch viel zu oft empfohlen wird. Erde als Bodengrund, lebende Pflanzen und ein Wasserbecken, eventuell sogar mit Fischen, sind sicher eine Augenweide. Leider kommt meist schnell die Ernüchterung in Form kranker Strumpfbandnattern. Die Luftfeuchtigkeit ist in solchen Behältern meist viel zu hoch, was leicht zur Hautkrankheiten oder gar Abszessen führt. Parasiten vermehren sich explosionsartig, da der Kot aus solchen Becken praktisch nicht zu entfernen ist. In der Natur kriecht eine Strumpfbandnatter nach ihrem „Geschäft” davon und kommt mit ihrem Kot nicht in Berührung, im Terrarium lässt es sich nicht vermeiden. Auch in den Freilandbecken sind diese feuchtigkeitsbedingten Hauterkrankungen oft ein Problem. Ein weiterer Nachteil dieser Becken ist, dass die Tiere praktisch nicht zu fangen sind, ohne dass im Becken ein Totalschaden entsteht. Gerade junge Strumpfbandnattern demonstrieren dann auch, wie perfekt sie getarnt sind. Ein Bekannter von mir verbrachte mehrere Monate damit, eine Gruppe von etwa 20 Babyschlangen aus einem wunderschön eingerichteten Becken mit Korkrückwand wieder herauszupflücken. Babystrumpfbandnattern passen wirklich in jede Ritze!
Wie viele andere Züchter auch, halte ich meine Tiere in Sterilhaltung. Aber auch da gibt es durchaus Abstufungen. Bei mir enthält jedes Becken zwei Verstecke aus der Größe der Tiere angepassten Tonschalen, in die ich mit einer Flex Einschlupflöcher geschnitten habe.
Eines dieser Verstecke steht jeweils unter der Lampe, eines in der kühlsten Ecke des Beckens. Dieses erlaubt den Schlangen, innerhalb des für sie so wichtigen Temperaturgefälles im Terrarium ihre Körpertemperatur selber passend einzustellen. Ebenfalls im kühleren Bereich des Terrarium befindet sich eine so genannte ” Wet-Box ” aus einer Gefrierdose mit Einschlupfloch (das lässt sich gut mit einem Bohrer machen) gefüllt mit feuchten Küchenpapier, sowie ein Wasserbecken.
Das Wasserbecken sollte so groß sein, dass die Strumpfbandnattern vollständig darin baden können. Dabei gibt es durchaus unterschiedliche Vorlieben. Viele Strumpfbandnattern benutzen das Wasserbecken nur zum trinken und baden höchstens nach dem Fressen oder während der Häutung darin. Andere, zum Beispiel die Similis, baden gern und viel, weshalb sie von mir stets größere Wasserbecken erhalten.
Ich verwende als Wasserbecken Plastikdosen, zum Beispiel von Tupper, aber auch Auflaufformen werden von vielen Terrarianern verwendet. Beide haben den Vorteil, leicht auch sehr heiß zu reinigen und zu desinfizieren zu sein, allerdings ziehe ich die Plastikdosen auf Grund ihrer Unzerbrechlichkeit vor. Viele Strumpfbandnattern geben ihrem Kot gerne in das Wasserbecken ab, sodass dieses dann zu einer Parasitenschleuder werden kann, wenn man es nicht oft reinigt. Ich verwende inzwischen weiße Wasserbehälter, da man in ihnen jedes Krümelchen Kot sofort erkennen kann.
Nun zum Bodengrund. Über wenige Dinge wird unter Terrarianern so oft diskutiert, wie über den Bodengrund. Das wichtigste ist: Er muss trocken aber nicht staubig sein! Strumpfbandnattern quittieren eine zu feuchte Haltung schnell mit Hautkrankheiten. In der Natur leben sie zwar in der Nähe von Gewässern, aber nur, weil sie dort ihre Nahrung finden. Staub schädigt die Lungen und fördert die Bildung von Abszessen. Die Art des Bodengrundes ist sicher auch Geschmackssache. Des Terrarianers. Oft verwendet werden Buchenhack, Reptibarc und ähnliche. Sand ist nicht geeignet, da er oft mit gefressen wird und dann zu Verdauungsproblemen führen kann. Ich selber habe mich für die arbeitsintensivste Art des Bodengrundes entschieden: Küchenpapier. Anlass dazu war ein Experiment, dass ich zu Anfang meiner Strumpfbandnatternlaufbahn gemacht habe: Während der Quarantänezeit hatte ich jeweils vier Babyschlangen in je einem 40 mal 30 mal 30 großen Falltürbecken. Leider versteckten sich die Tiere eines Beckens immer unter dem Küchenpapier. Und ein Becken so ganz ohne sichtbare Bewohner ist dann ja doch nicht so ein toller Anblick. Also ersetzte ich in diesem Becken den Bodengrund durch Buchenhack. So weit, so gut. Nun konnte ich sie beobachten ohne sie immer stören zu müssen. Nach einer Woche war das Becken mit Küchenpapier völlig vollgesch… und es war auf den ersten Blick zu sehen, dass es dringend gereinigt werden musste. Im zweiten Becken war sicher ebenso viel Kot und Urin abgegeben worden, es sah aber nicht so aus! Wenn ich also nicht am Parallelbecken gesehen hätte, wie dreckig dieses Becken wirklich war, hätte ich es sicher nicht gereinigt. Das gab für mich den Ausschlag. Lieber die Becken öfter säubern, als dass die Tiere in ihrem eigenen Dreck herumkriechen. So sieht ein Becken von 4 Jungschlangen nach einer Woche aus:![]()
Die niedrige Luftfeuchtigkeit in einem solchen Becken können die Tiere durch den Aufenthalt in ihrer nassen Box ausgleichen. Seit 2000 halte ich Strumpfbandnattern und hatte seither weder Abszesse noch sonstige Hautkrankheiten. Wie regelmäßige Kotproben zeigen, ist der Parasitenbefall meiner Tiere äußerst gering.
Noch einmal kurz zusammengefasst:
Einrichtung: mehrere Verstecke (auf den Foto ist gerade keiner zu Hause…)
Bodengrund
Wasserbecken
nasse Box
Äste zum Klettern
werden gerne angenommen, insbesondere die Männchen klettern gerne. Dabei kommt ihnen sicher entgegen, dass sie leichter und beweglicher als die Weibchen sind. Das Problem dabei ist nur, dass sich gerade nervöse Tiere sehr aufregen, wenn man diese Äste zur Reinigung entfernen muss. Viele werden dadurch immer hektischer und scheuer. Deshalb verzichte ich auf Kletteräste.
Überlegungen vor dem Kauf
Als Erstes eine Warnung: Nie das erstbeste Tier kaufen! Zunächst sollte man sich in Ruhe überlegen, was möchte ich eigentlich? Strumpfbandnattern gibt es in den schönsten Farben, manche sind leichter zu bekommen, manche schwerer, aber Geduld lohnt sich! Wenn man so die Qual der Wahl zwischen den schönsten Farbvarianten
hat, taucht immer wieder eine Frage auf: Schlangen sind doch Einzelgänger, oder? Diese Aussage stimmt insoweit, als dass es bisher nicht bekannt ist, dass sich unter Strumpfbandnattern Sozialstrukturen und Rangordnungen wie zum Beispiel bei Echsen und Säugetieren bilden. Das heißt aber nicht, dass man sie unbedingt einzeln halten muss. In der Natur versammeln sich Strumpfbandnattern oft an Plätzen, die ihnen besonders zusagen in mehr oder weniger großen Gruppen.
Allerdings tun sie das nicht, weil sie sich gegenseitig sympathisch finden, sondern weil an diesem Platz die Lebensbedingungen ideal sind. Gerade in den Winterquartieren sind zum Teil große Ansammlungen von Strumpfbandnattern bekannt. Für die Terrarienhaltung heißt das, dass man die Tiere problemlos miteinander vergesellschaften kann, vorausgesetzt man beachtet einige Dinge. Zunächst einmal sollte man nur Strumpfbandnattern der gleichen Unterart oder nur Strumpfbandnattern des gleichen Geschlechtes vergesellschaften. Strumpfbandnattern sind keineswegs monogam. Sie paaren sich mit fast allem, was nicht schnell genug wegläuft. So sind zum Beispiel Mischlinge von Thamnophis marcianus mit Thamnophis parietalis und Florida-Blue bekannt, tetrataenia mit infernalis und parietalis, die Farbformen ” mixen ” sich sowieso. Auch wenn solche Tiere farblich durchaus attraktiv sein können, so wird man sie kaum alle behalten können. Ihr Verkauf ist eine kritische Sache, zumal sie oft nicht entsprechend gekennzeichnet werden und so andere Züchter nichts ahnend diese Tiere mit ihren Tieren kreuzen. So wird die so wichtige Reinzucht unter Umständen unmöglich. Also: Nur Tiere gleichen Geschlechtes vergesellschaften! Wobei die Geschlechtsbestimmung so eine Sache sein kann. Mehr darüber unter der Rubrik Zucht.
Zum anderen sollte man nur Tiere etwa gleicher Größe bzw. gleichen Appetits vergesellschaften. Man versetzte sich einmal in die Lage eines durchschnittlichen 40 Gramm-Männchens.
Aufgelegt züngelnd bewegt man sich in die Nähe eines verlockend duftenden Futternapfes und findet dort ein durchschnittliches 200 Gramm-Weibchen vor (also ein Tier, was zirka fünfmal so groß ist wie man selber!), welches in atemberaubender Geschwindigkeit das Futter herunterschlingt. Der Leser sollte sich jetzt einmal ehrlich fragen, wie viel Appetit er nun noch aufs Futter hätte… Zudem neigen gerade trächtige Weibchen dazu, so hungrig zu sein, dass ihnen so ein Männchen als Nachspeise gerade recht kommt. Auch bei der Aufzucht von jungen Schlangen können extreme Größenunterschiede vorkommen. Dieses Problem ist jedoch recht einfach zu lösen. Entweder füttert man jedes Tier mit Pinzette und passt auf wie ein Schießhund oder man setzt die Tiere einzeln in kleinere Fütterungsbecken.
Die meisten Tiere gewöhnen sich sehr schnell daran. Mehr darüber beim Thema Fütterung.
Zusammengefasst: Achtet man darauf, dass jeder genügend Futter abbekommt und setzt man nur gleichgeschlechtliche Tiere zusammen, ist eine Gemeinschaftshaltung völlig unproblematisch. Und so ein buntes Schlangenknäuel ist ein sehr attraktiver Anblick.
Vorsichtig sollte man allerdings mit artübergreifenden Vergesellschaftungen sein. Obwohl es immer wieder Berichte gibt, wo so etwas zu funktionieren scheint, so besteht gerade hier die Gefahr der Übertragung von Parasiten, die für die eine Art völlig ungefährlich, für die andere aber tödlich sind. Ein Beispiel ist Entamöba invadens, ein für Schildkröten ungefährlicher Einzeller, der unter anderem Reptilien furchtbare Epidemien auslöst.
In einigen Fällen hat aber auch die Einzelhaltung Vorteile. Ich selber halte zum Beispiel trächtige Weibchen immer in Einzelhaltung.
So weiß ich, ob die Schlange genügend frisst und es besteht nicht die Gefahr, daß andere Tiere die Neugeborenen fressen, was leider keine Ausnahme ist. Kranke und extrem schüchterne Tiere wird man oft einzeln halten müssen, da sie sich sonst gar nicht ans Futter trauen. Allerdings hat die Einzelhaltung auch einen gravierenden Nachteil: Die Tiere werden leicht scheu. In Gemeinschaftshaltung werden sie ja von den anderen Tieren ständig berührt und gewöhnen sich so daran. Einzeln gehaltene Tiere erschrecken leicht, wenn man sie berührt und sind oft hektisch, wenn man sie in die Hand nimmt. Sowohl Einzel- als auch Gesellschaftshaltung haben also Vor- und Nachteile. Ein jeder entscheide selber, was für ihn überwiegt.
Nach dem man sich nun überlegt hat, welche Strumpfbandnattern oder Farbformen das eigene Becken schmücken soll, ist die nächste Frage: Welches Geschlecht? Wer nicht unbedingt züchten will, dem sei hier eindringlich empfohlen, Männchen zu kaufen!
Männchen bleiben meist handlicher als die Mädels, sind lebhafter und neugieriger und werden oft älter, denn Weibchen können auch ohne, dass ein Männchen anwesend ist, trächtig werden! Sie setzen dann allerdings unbefruchtete, so genannte Wachseier, an, deren vollständiges Absetzen oft Probleme macht, gerade, wenn man nicht mit einer solchen Geburt rechnet. Gelingt es dem Weibchen nicht, alle Wachseier abzulegen oder passt die Temperatur nicht, stirbt es früher oder später entweder direkt an der Legenot oder an der daraus folgenden Eileiterentzündung. Durch solche Komplikationen werden Weibchen meist nicht so alt wie die Männchen. Zu dem neigen Weibchen während einer Trächtigkeit, ob einer „richtigen” oder mit Wachseiern oft dazu, mehr oder weniger bissig zu werden.
Manche der Mädels können es einfach nicht leiden, wenn man ins Terrarium greift, andere sind in der Trächtigkeit so hungrig, dass sie in alles hereinbeißen was sich bewegt. Das Foto zeigt die Folgen eines solchen „Ich -habe -Hunger”-Bisses.
Als Züchter kennt man seine ” Damen ” und findet sich damit ab, allen Nichtzüchtern rate ich dazu, sich dies zu ersparen!
Da mir gerade beim Thema Alter sind. Eine Strumpfbandnatter wird durchschnittlich etwa 10 Jahre alt. Als Käufer sollte man sich vorher überlegen, ob man bereit ist, solange die Verantwortung für das Tier zu übernehmen und auch Folgekosten zum Beispiel den Tierarzt, regelmäßige Wurmkuren, Futter, Strom, Lampen etc. in Kauf zu nehmen. Bevor man nun zum eigentlichen Kauf schreitet, gibt es noch zwei Dinge zu erledigen: Zum einen, ein Quarantänebecken einzurichten und zum anderen sich Gedanken über einen sicheren und schonenden Transport zu machen. Ich selber setze alle Tiere, die ich dazu bekomme, immer mindestens sechs Wochen in Quarantäne. Nachlässigkeit in diesem Bereich hat schon mancher bitter bereut. Kein Verkäufer kann garantieren, dass seine Tiere parasitenfrei und kerngesund sind. Strumpfbandnattern sind immer noch Wildtiere, und Wildtiere verbergen Krankheiten stets solange es geht. In jedem Bestand sind Parasiten vorhanden, was unter normalen Bedingungen für die Tiere überhaupt kein Problem ist. Auch in der Natur kommen die Tiere mit einem gewissen Parasitenbefall klar. Viele Krankheiten treten durch den Stress, den der Transport und die neue Umgebung mit sich bringen, erst in Erscheinung. Besonders gerne entsteht durch den Stress ein Vitamin B1-Mangel und eine Infektion mit Flagellaten. Die Quarantäne schützt auch den Neuling mit seinem geschwächten Immunsystem vor eventuellen Erkrankungen. Das Quarantänebecken darf noch etwas kleiner sein, als das Becken für später. Wichtig ist auch hier: Es muss ausbruchssicher sein! Die so beliebten Faunaboxen sind es oft nicht, zumindest nicht für kleinere Tiere! Wurde das Becken schon einmal für andere Tiere benutzt, sollte es unbedingt desinfiziert werden. Ich verwende dazu Melsept, ein Desinfektionsmittel aus der Medizin, was auch eine gute Reinigungswirkung hat. Mehr darüber unter der Rubrik Handhabung und Pflege.
Als Einrichtung verwendet man entweder Wegwerfgegenstände (Küchenpapier als Bodengrund, Papprollen von Toilettenpapier oder Eierkartons als Unterschlupf, eventuell Joghurtbecher als Wasserbecken) oder Gegenstände, die desinfiziert werden können. Ich richte die Quarantänebecken genauso ein wie meine ” richtigen ” Becken, allerdings in einem separaten (!), ruhigen Raum. Milben zum Beispiel können in einem Tag ein Zimmer komplett durchqueren! Weiß ich, dass ich einen Wildfang oder ein sehr scheues Tier bekomme, gebe ich noch eine künstliche Pflanze mit hinein. So weit alles vorbereitet? Dann ist es jetzt an der Zeit, sich über den Transport Gedanken zu machen. Wichtig ist es zunächst einmal, die Schlange ausbruchssicher zu verstauen. Ich benutze dazu Tupperdosen, in die ich Löcher gebohrt habe (Bohrmaschine mit Holzbohrer). Sie schließen dicht und werden bei größeren Tieren noch mit Klebeband gesichert. Als Polsterung verwende ich Küchenpapier, bei längeren Transporten angefeuchtete Kleintierstreu. Für kleinere Tiere eignen sich auch Heimchendosen oder Börsendosen, die viele Züchter dazu bereithalten. Aber zumindest mittelgroße Tiere sind durchaus in der Lage, diese zu öffnen! Also zukleben!
Zum Schutz vor Temperaturschwankungen sollte man alle Reptilien immer in Styroporboxen transportieren. Hierbei ist allerdings für unsere Strumpfbandnattern Kälte weniger ein Problem als Hitze! Für unsere Strumpfbandnattern wird es erst etwa ab dem Gefrierpunkt kritisch, allerdings schon bei etwa 35 Grad plus! Jeder, der sein Auto schon einmal in der Sonne parkte, weiß, wie schnell die Temperatur gefährlich ansteigen kann. Bei kühlen Temperaturen reicht also durchaus ein Karton als Schutz, bei Wärme unbedingt eine Styroporbox verwenden! Ich selber packe die Tiere mit leicht angefeuchtetem Küchenpapier in eine entsprechend gesicherte Dose. Apropos einpacken. Wie bekommt man eine Strumpfbandnatter am besten in eine Transportbox? Wenn man Glück hat, kennt die Schlange diese Prozedur noch nicht. Dann reicht es, die vorbereitete Box bereitzustellen, das Tier hineinzusetzen und die Box schnell zu verschließen. Allerdings schätzen die Tiere den Aufenthalt in solchen Boxen nicht sonderlich, und sie wissen auch sehr schnell, wo der Ausgang ist. Für solche Spezialisten eignen sich Boxen, deren Deckel zweigeteilt ist.
Man braucht nur eine Hälfte zu öffnen und kann die Schlange dann mit dem Kopf voran hineinstecken. Achtung, in diesen Situationen haben Schlangen durchaus einen Rückwärtsgang! Ebenso ist es leichter, eine Schlange zu verpacken, die noch nicht von der Lampe aufgewärmt ist. Also am frühen Morgen einpacken…
Gut verpackt überstehen Strumpfbandnattern auch mehrtägige Transporte ohne Probleme, auch ein Versand ist möglich. Ich selber ziehe es allerdings immer vor, die Tiere persönlich abzuholen. So kann ich mir die Eltern ansehen und mir das Tier aussuchen, was mir gefällt. Ich kann mir ein genaues Bild des Gesundheitszustandes des Tieres machen und den Besitzer alles fragen, was ich wissen möchte. Da es außerdem eine gute Gelegenheit ist, mit dem Besitzer Erfahrungen auszutauschen, nehme ich auch eine längere Anfahrt gerne in Kauf. Nur, wenn die Entfernung gar zu groß ist oder ein Grenzübertritt mit Formalitäten zu beachten ist, lasse ich mir Tiere schicken. Für die Tiere selbst ist der Transport kein Problem, vorausgesetzt, sie wurden etwa eine Woche vor dem Transport nicht mehr gefüttert. Es ist für sie nur eine Art Schlechtwetterphase(vgl. die Rubrik Urlaub), aber man kauft beim Versand immer die Katze im Sack. Für mich nur eine Notlösung.
Wo kauft man seine Tiere?
Die meisten werden ihre erste Strumpfbandnatter in einem Zoogeschäft kaufen und damit ihre mehr oder weniger guten Erfahrungen machen. Leider meistens letzteres. In vielen Zoogeschäften, selbst in etlichen Fachgeschäften musste ich oft die Erfahrung machen, dass über Strumpfbandnattern kaum mehr als „die fressen Fisch” bekannt ist. Oft werden Wildfänge verkauft, da sie billig eingekauft werden können. Babystrumpfbandnattern sind oft ebenfalls in schlechtem Zustand. Sie brauchen viel Aufmerksamkeit und häufige Fütterungen, und das können und wollen viele Geschäfte nicht leisten. Sicher gibt es hier auch Ausnahmen. Aber mir ist ehrlich gesagt, noch keine begegnet. Für einen erfahrenen Strumpfbandnatternhalter ist es nicht unbedingt ein Problem Wildfänge zu kaufen, allerdings weiß er dann auch, wie er sie behandeln muss und dass er nicht immer alle durchbekommt. Einige Tipps zur Behandlung von Wildfängen an späterer Stelle. Eine andere Möglichkeit, sich Strumpfbandnattern zu kaufen, sind die zahlreichen Reptilienbörsen. Raritäten wird man dort allerdings nicht finden. Strumpfbandnattern werden eher selten angeboten, wer etwas Bestimmtes sucht, wird hier in der Regel nicht fündig. Die beste Möglichkeit, sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene , ist der Kauf direkt beim Züchter. Allerdings gibt es auch hier große Unterschiede. Es gibt “Züchter”, die sich irgendwann mal ein Paar, wohlmöglich noch Geschwister, gekauft haben und munter Inzucht betreiben, Fischfilet und ähnliches minderwertiges Futter verwenden, die Babies schon als Neugeborene verkaufen, sie zu wenig füttern oder auch gar nicht füttern(man kühlt sie einfach ab, dann fressen sie nichts…) und es gibt die richtigen Züchter, die ihren Namen auch verdienen.
Diese achten sorgfältig auf ihre Verpaarungen und Blutauffrischungen und kümmern sich intensiv um die Jungtiere. Vergleiche hierzu die Rubrik „Zucht”. Die Elterntiere werden mit hochwertigem Futter gefüttert, regelmäßig entwurmt, falls nötig einem Tierarzt vorgestellt und so sauber wie möglich gehalten. Richtige Züchter geben die Jungtiere erst ab, wenn sie futterfest sind und sich mehrmals gehäutet haben und sind auch gerne bereit, die neuen Besitzer ausführlich zu beraten. Dass ein solches Jungtiere teurer sein muss, als bei der „Minimalzucht” sollte jedem Käufer klar sein! Aber dieses Geld ist gut investiertes Geld, wenn man dafür gesunde und muntere Jungtiere bekommt! Wer beim Kauf spart, spart am falschen Ende! Im wahrsten Sinne des Wortes ” natürlich ” ist es aber auch, dass während der Aufzucht das eine oder andere Jungtier stirbt. In der Natur würde nur ein Bruchteil der Babies überleben, bei mir sind es weit über 90 Prozent, die erwachsen werden. Trotzdem rate ich jedem Käufer, insbesondere, wenn er später züchten will, mehrere Tiere zu kaufen. Ja, ich weiß, viele wollen nur ein Pärchen. Das haben aber auch schon sehr viele betreut! Wenn eines der Tiere stirbt, was dann? Dann hat sich das Thema Zucht erledigt! Adulte Tiere findet man so gut wie nie auf dem Markt, und wenn, sind sie zu recht teuer. Ein adultes Weibchen kann durchschnittlich 20 bis 30 Nachkommen pro Jahr bekommen, manchmal auch sehr viel mehr. Wenn ein adultes Tiere verkauft wird, verlangt der Verkäufer meistens einen Betrag, den er für diese 20 bis 30 Babies in einem Jahr bekommen würde. Wenn man dann noch die zukünftigen Babies berücksichtigt und das, was der Verkäufer während der Aufzucht in dieses Weibchens investiert hat, ist ein solcher Preis durchaus berechtigt. Also schon beim Kauf der Tiere an die Zukunft denken! Ich selber kaufe immer mindestens 2,2 Tiere, von seltenen oder empfindlichen Tieren mindestens 3,3.
Sollten alle dieser Tiere überleben, gebe ich die überzähligen als adulte Tiere wieder ab. Manche Züchter bezeichnen solche Tiere dann als ” Holdbacks “. Wer als Käufer solche Tiere bekommen kann, sollte sich zu diesem Sechser im Lotto beglückwünschen! Er bekommt Tiere, die der Züchter auf Grund ihrer schönen Farbe oder anderen guten Eigenschaften für sich behalten hat, und die semiadult bis adult, also aus dem Gröbsten raus sind. Ihre Sterblichkeit ist in der Regel gleich Null. Natürlich wird kein Züchter solche Tiere “verschenken”. Aber wer bei dem Hobby Reptilien sparen will, sollte sich ein anderes suchen. In der Regel wird man als Käufer allerdings entweder Babies oder Wildfänge angeboten bekommen.
Hat man einen Verkäufer gefunden, ist es sehr empfehlenswert, sich ein genaues Bild vom Gesundheitszustand der in Frage kommenden Tiere zu verschaffen. Auch das ist ein Grund, weshalb ich, sofern es irgend möglich ist, die Tiere immer persönlich beim Verkäufer abhole. Worauf sollte man bei der Auswahl einer Schlange achten? Sicher kann nur ein reptilienkundiger Tierarzt den wirklichen Gesundheitszustand eines Tieres genau beurteilen, aber es gibt einige Dinge, die auch einem Laien genug über das Tier verraten. Als erstes sollte man sich die Haltung des Tieres anschauen. Um Tiere, die zusammengepfercht in völlig verschmutzten Terrarien dahinvegetieren, sollte man einen großen Bogen machen. Das Tier sollte aufmerksam sein und sich spätestens bei einer Störung durch den Menschen lebhaft bewegen. Ein kleiner Häutungsrest muss nicht unbedingt ein Problem sein, man sollte es allerdings als Minus im Kopf behalten. Dann bittet man den Verkäufer, das entsprechende Tier heraus zu fangen, dabei bekommt man schon einen Eindruck vom Temperament des Tieres. Die Finger lassen sollte man von den ruhigen, ” zahmen ” Tieren, ihre Lethargie ist meistens ein Zeichen von Krankheit. Hat ein solches Tier allerdings trübe Augen, so will es sich nur häuten, und viele Tiere sind dann ruhiger als sonst. Als Anfänger sollte man die Finger ebenfalls von den extrem hektischen Tieren lassen und von den ” größenwahnsinnigen, ” die schon als Babies Abwehrverhalten zeigen. Das legt sich zwar in der Regel während der Aufzucht, aber ihren Grundcharakter behalten die Tiere nach meiner Erfahrung meistens bei. Nimmt man das Tier in die Hand, sollte man als wichtigstes eine deutliche Körperspannung fühlen können und die Haut darf nicht faltig sein. Tiere mit diesen beiden Anzeichen sind meistens Todeskandidaten! Die Tiere müssen geräuschlos atmen und sowohl am Maul als auch an der Kloake (das ist da, wo der Kot rauskommt) dürfen keine Wunden, Schleim oder Ähnliches erkennbar sein. Manche Strumpfbandnattern geben, wenn man sie hochlebt ein kurzes unwilliges Zischgeräusch(hört sich an wie „tsch”) von sich, das ist aber dann stets nur ein- maximal zweimal kurz zu hören(vgl. den Punkt „Sprache”). Milben sieht man meistens als stecknadelkopfgroße, meist dunkle Punkte oft in Augennähe oder als ” Staub ” auf dem Rest des Körpers. Sieht soweit alles gut aus, bittet man am besten den Verkäufer, das Tier zu füttern, damit man sehen kann, dass es frisst. Ein seriöser Verkäufer wird das akzeptieren. Wenn er allerdings das Tier gerade an diesem Tag oder am Tag vorher gefüttert hat, kann es durchaus sein, dass es satt ist, und am Futter kein Interesse zeigt. Ein seriöser Züchter wird auch meist über die Vorlieben des Tieres Auskunft geben können. Macht alles soweit einen guten Eindruck, kauft man das Tier. Der Verkäufer wird in der Regel entsprechende Boxen für den Transport bereithalten. ![]()
Dann verstaut man das Tier in der Styroporbox und macht sich schleunigst und schnellstmöglich auf den Heimweg. Zuhause wird das Tier in das vorbereitete Quarantänebecken gesetzt und GANZ WICHTIG in Ruhe gelassen! So groß die Versuchung ist, den Neuankömmling vorzuführen oder gar zu füttern. Transport und die neue Umgebung sind immer Stress, selbst für ein recht zahmes Tier!
Wildfänge bekommen bei mir folgende Spezialbehandlung: Direkt aus der Transportboxen wandern sie als erstes auf eine Waage. Das Gewicht notiere ich und bestimme anhand dessen die Menge isotoner Metronidazol-Lösung, die das Tier bekommen muss. Dieser Lösung setze ich noch einen flüssigen Vitamin-B-komplex (z. B. Kapuvit-B für Brieftauben) zu. Diese Flüssigkeit verabreiche ich per Magensonde (näheres dazu im Artikel ” Meine Stinte freß ich nicht ” Teil zwei). Dieses wird nach 14 Tagen wiederholt. Bevor ich das Tier ins Quarantänebecken setze, lasse ich es noch einmal (das reicht!!!) durch einen mit Frontline besprühten Gummihandschuh kriechen (siehe unter Milbenbehandlung). Danach setze ich die Tiere in das Quarantänebecken und lasse sie mindestens eine Stunde in Ruhe. Danach sprühe ich das Becken mit Wasser, das zusätzlich einige Tropfen der Bachblüten Walnut und Rescue enthält, tropfnass. Dass wird eine Woche lang täglich morgens wiederholt. Die Tageslichtdauer im Quarantänebecken erhöhe ich auf mindestens 13 bis 14 Stunden. Das Quarantänebecken steht in einem möglichst ruhigen Raum. Am nächsten Tag beginne ich den Tieren alle zwei Tage Futter anzubieten. Hier hat es sich bei mir bewährt, Fisch und Maus auf getrennten Tellern anzubieten. Erstaunlich viele Wildfänge beginnen jetzt bereits zu fressen. Während des Fressens verlasse ich den Raum, beobachte allerdings immer wieder durch den Türspalt, welches der Tiere frisst. Wer nach einer Woche noch kein Futter angerührt hat, bekommt lebendige Regenwürmer vorgesetzt. Werden auch diese verschmäht, beginne ich mit Zwangsfütterung. Mehr darüber siehe im Artikel ” Meine Stinte freß ich nicht” Teil zwei. 14 Tage, nachdem die Metronidazolbehandlung abgeschlossen ist, behandle ich die Tiere nach erneutem Wiegen noch zweimal im Abstand von 14 Tagen mit Panacur. Viele Wildfänge haben Narben, oder ihnen fehlt ein Stück Schwanz. Sofern das gut verheilt ist, handelt es sich um einen reinen „Schönheitsfehler”.
Zurück zu unseren Tieren, die wir im Idealfall bei einem seriösen Züchter erworben haben. Dieser wird uns sicher gesagt haben, wann und was er zuletzt gefüttert hat. Trotzdem sollten wir einige Tage warten, bis wir Futter anbieten. Haben die Tiere einen sehr langen Transport (z. B. Import) hinter sich, gibt man etwa eine Woche nur Wasser, bevor man die Tiere füttert. Mit diesem Rat von dem Züchter Scott Felzer aus den USA bin ich immer sehr gut gefahren. Die Quarantäne dauert etwa sechs Wochen wenn keine Auffälligkeiten erkennbar werden. In dieser Zeit ist es sinnvoll bei einem reptilienkundigen Tierarzt Kot-Untersuchungen durchführen zu lassen. Dringend anzuraten ist es auch, mehrmals nachts mit der Taschenlampe in das Becken zu sehen ebenso morgens, direkt wenn das Licht eingegangen ist. Milben sind nachtaktiv! Machen die Tiere nach diesen sechs Wochen einen gesunden und munteren Eindruck, und fressen gut, können sie in das ” richtige ” Becken umgesetzt werden.
Ernährung und praktische Fütterung
Neben dem Thema Bodengrund ist die Fütterung eines der am häufigsten diskutierten Themen unter Strumpfbandnatternhaltern. Ich finde, dass es sich auch hier erst mal lohnt, einen Blick auf das Leben in der Natur zu werfen. Dort besteht das Nahrungsspektrum unserer Strumpfbandnattern vor allem aus Fröschen, Molchen und deren Larven, Regenwürmern, Egeln und sonstigem Wassergetier, sowie Fischen, sofern sie sie erwischen und auch Mäusen und Vogelküken, also im Prinzip alles, was tierisch ist und was sie erreichen können. Dabei gibt es sowohl ausgeprägte jahreszeitliche Schwankungen als auch Unterschiede je nach Größe der Tiere. Strumpfbandnattern fressen durchaus auch Aas, zum Beispiel tote Fische. Gerade letztere Eigenschaft erleichtert uns Terrarianern die Haltung ganz erheblich. Viele der natürlichen Beutetiere fallen für die Terrarienhaltung flach. Frösche, Molche und deren Larven stehen unter strengsten Naturschutz, mit Egeln wird man auch kaum freiwillig hantieren. Eintagsküken sind als Beute viel zu groß, an kleinere Küken kommt man nur schwer heran. Bleiben im Prinzip Regenwürmer, Fisch und Maus. Damit wären die wichtigsten Futtertiere genannt. Jedes davon hat Vor- und Nachteile.
Zunächst zu den Mäusen:In der Regel kommen von der Größe her Babymäuse in Frage, auch wenn es Weibchen gibt, die durchaus Springer oder auch kleinere erwachsene Mäuse schaffen. Wer das unbedingt ausprobieren will, sollte allerdings bedenken, dass ein Beutetier, die größer es ist, auch umso schwerer verdaulich ist. Zudem sind in der Natur Mäuse sehr wehrhafte (!) Tiere, sodass es kaum einer Strumpfbandnatter gelingen wird, regelmäßig in der Natur Mäuse zu fangen. Meistens werden Strumpfbandnattern mit Fisch gefüttert, oft ist das auch einer der Gründe, sich für Strumpfbandnattern zu entscheiden, weil man keine Mäuse füttern will. Aber auch zum Thema Fisch sollte man einiges wissen. Erstens. Es muss Süßwasserfisch sein. Strumpfbandnattern vertragen keinen Salzwasserfisch! Zweitens sollte man nach Möglichkeit ganze Fische und kein Fischfilet verfüttern. In den Innereien sind viele Spurenelemente und Vitamine enthalten, außerdem besteht bei Fischfilet die Gefahr, dass es doch vereinzelt größere Gräten enthalten kann. Diese können die Schlange beim Fressen schwer, wenn nicht tödlich verletzen. Drittens ist bei der Fischfütterung zu bedenken, dass alle Fische, aber insbesondere Karpfenfische ein Enzym enthalten, das Vitamin B1 abbaut, was bei Strumpfbandnattern zu einer leider auch immer wieder tödlichen Vitamin B1 Mangel-Krankheit führen kann. Bei Fischfütterung muss man also ganz besonders auf die Vitamingabe achten. Dazu später mehr. Wer sich zum Thema Vitamin B1 genauer informieren möchte, schau doch in meinen Artikel zu dem Thema. Ich selber füttere meine Strumpfbandnattern mit einem Gemisch aus Maus und Fisch, wobei ich die unterschiedlichen Vorlieben der Tiere berücksichtige. Bei den Mäuse bevorzuge ich die etwas größeren Babymäuse (7 bis 10 Tage alt) da ihr Kalziumgehalt um ein Vielfaches höher ist, als der neugeborener Mäuse.
Als Fisch füttere ich Stint, und zwar die etwa fingerlange Süßwasservariante. Das praktische an beiden Futtermitteln ist, dass man sie sich als Frostfutter bestellen kann (z. B. bei Frostfutter.de, es gibt aber auch andere Anbieter, allerdings haben die meistens nur Mäuse). Wer nur wenige Tiere zu versorgen hat, wird auch im Zoofachhandel fündig.
Ich weiß von anderen Terrarianern, dass sie auch einheimische Kleinfische wie Moderlieschen, Elritzen und andere füttern. Die Vorlieben der Strumpfbandnattern sind durchaus unterschiedlich. Ich habe mehrere Tiere, die Fisch ablehnen und nur Babymäuse fressen. Ein Weibchen frisst nur die kleinen Babymäuse. Sobald die Mäuse die ersten Haare haben, mag sie sie nicht mehr… Dieses Tier bekommt deshalb öfter, als die anderen, Futterkalk über das Futter gestreut. Bevor ich näher auf das Thema Vitamine eingehen, noch einige Worte zu den Regenwürmern. Sie sind im Prinzip das natürlichste Futter, was wir unseren Strumpfbandnattern anbieten können.
Entgegen anderer Behauptungen sind sie durch die Erde in ihrem Verdauungstrakt auch durchaus mineralhaltig. Regenwürmer sind meine Geheimwaffe bei schlecht fressenden Tieren oder zur Aufzucht von Schlangen oder bei Wildfängen(Vgl. hier die Rubrik Jungenaufzucht). Allerdings ist es schwer, eine Strumpfbandnatter mit Regenwürmern satt zu kriegen. Ich selber füttere Regenwürmer nur in den oben erwähnten ” Notfällen “, zudem ist der Kot der Tiere danach sehr flüssig. Gleiches gilt für Nacktschnecken, vgl. den Artikel darüber. Lebendige Regenwürmer regen durch ihre Bewegungen die Schlangen zur Jagd an, allerdings hat man dann gerade bei Gemeinschaftshaltung ein Problem. Wird ein Regenwurm von einer Schlange gepackt, wehrt er sich verständlicherweise heftig (Ich hatte schon Regenwürmer, die, nachdem sie gefressen worden waren, wieder aus der Schlange herauskrochen!). Dies veranlasst normalerweise alle anderen Schlangen, genau diesen Regenwurm auch fressen zu wollen, und sie verbeißen sich ineinander. Mehr darüber unter dem Punkt Fütterungspraxis. Käuflich erwerben kann man Regenwürmer unter anderem bei superwurm.de oder in Angelgeschäften, leider sind diese, zumindest für Babyschlangen, meistens viel zu groß. So bleibt einem nichts anderes übrig, als sie durch kurzes Tauchen in heißes Wasser abzutöten und den Strumpfbandnattern in geschnittener Form vorzusetzen. Wichtig ist es, darauf zu achten, Würmer der Gattung „Dendrobena” zu kaufen. Die beliebten Kompostwürmer z. B. sind teilweise giftig! Wer einen eigenen Garten hat, kann auch dort nach Regenwürmern buddeln. Ein Tipp aus Anglerkreisen: einen Spaten oder Ähnliches in den Boden stecken und einige Minuten damit wackeln. Oft kommen die Regenwürmer dann aus der Erde gekrochen. Wenn man allerdings 50 oder mehr Babyschlangen mit Würmern versorgen muss, ist das doch eine etwas aufwändige Angelegenheit, zumal man pro Babyschlange mindestens einen Wurm rechnen muss, manche schaffen auch zwei oder drei. Womit ich beim Thema wie viel Futter angekommen wäre. Ich sage gleich im voraus, dass es darüber viele Ansichten gibt, ebenso zum Thema, wie oft füttern. In der Natur wird eine Strumpfbandnattern jede Gelegenheit zum fressen nutzen, meiner Meinung nach ist es daher natürlicher, sie häufiger und dafür mit geringeren Mengen zu füttern, als alle ein bis zwei Wochen soviel wie reingeht. In den acht Jahren, denen ich diese Tiere jetzt züchte, haben sich folgende Futtermengen und Häufigkeiten herauskristallisiert: Erwachsene Tiere füttere ich einmal wöchentlich. Dabei rechne ich pro Weib 2 Babymäuse und drei mittelgroße Stinte und pro Mann eine Babymaus und einen Stint. Hierbei werden die individuellen Vorlieben natürlich berücksichtigt. Trächtigen Weibchen gebe ich diese Menge zweimal pro Woche. Babies füttere ich alle zwei Tage bis sie futterfest sind, dann zweimal pro Woche, bis sie etwa 20 Gramm wiegen. Am Anfang rechne ich durchschnittlich pro 5 Babies eine Babymaus und einen halben kleinen Stint pro Nase. Wenn nach mehreren Stunden Wartezeit zu viel übrig bleibt, verringere ich die Menge, bis sie zum einen alles auffressen, zum anderen aber auch die schüchternen Tiere satt werden (vgl. die Rubrik Jungenaufzucht). Aber auch hier gibt es schon individuelle Vorlieben und Tiere, die keinen Fisch oder keine Maus fressen. Halb erwachsene Tiere, magere und / oder kranke Tiere und Wildfänge führte ich zweimal wöchentlich und rechne pro Nase eine Babymaus und einen Stint. Dies zur groben Orientierung. Es gibt Tiere, die deutlich weniger fressen, als ich hier angebe. Das kann normal sein, ist aber immer verdächtig! Vgl. hierzu den Artikel über Vitamin B1.Mangel. Ebenso gibt es auch Tiere, die gerne ein Vielfaches von dem fressen würden, was ich hier angebe.
Womit ich nun beim Thema Vitamine wäre. Einige Terrarianer sagen, dass die Tiere in der Natur auch kein Vitaminpulver erhalten. Das ist zwar richtig, aber zum einen erhalten sie in der Natur sehr viel abwechslungsreicheres Futter als wir ihnen anbieten können, zum anderen juckt es in der Natur auch niemanden, wenn eine Schlange an Vitaminmangel oder dem dadurch geschwächten Immunsystem stirbt. Wir Terrarianer möchten allerdings, dass möglichst alle Tiere überleben! Außerdem werden die Tiere meistens aus praktischen Gründen mit Frostfutter gefüttert. Beim Einfrieren werden einige Vitamine zerstört, leider aber nicht das Enzym Thiaminase, das den Vitamin B1 -Mangel begünstigt. Deshalb ist man sich in der Terraristik inzwischen einig, dass die Tiere Vitamine zusätzlich erhalten sollten. Wer Vitamine für seine Tiere kauft, sollte sich an Stelle des Preises die Zusammensetzung sehr genau ansehen. Manches Vitaminpulver verdient seinen Namen kaum, da es nur einen oder zwei Bestandteile enthält. Also erstes Kriterium: ein Multi-Vitaminpulver sollte seinen Namen verdienen und viele Vitamine und auch Mineralien und Spurenelemente enthalten. Die Aminosäuren sind für Fleischfresser nicht so wichtig, wohl aber für pflanzenfressende Reptilien. Für letztere kann auch ein Präparat, das nur aus Calcium und Vitamin D besteht, sinnvoll sein. Ich selber wechsele verschiedene Präparate ab (Korvimin ZVT, Sera reptimineral C, Reptivite). Die Finger lassen sollte man von Präparaten, wo keine Inhaltsstoffe angegeben sind. Praktisch fülle ich einen halben Teelöffel des Pulvers (mit ein wenig Reis als Trockenmittel) in einen Salzstreuer, die angebrochene Dose bewahre ich dicht verschlossen im Kühlschrank auf. Viele Vitamine werden durch Wärme, Licht und Sauerstoff zerstört! Spätestens ein Jahr nach Anbruch kann man das Zeug entsorgen, es ist im Prinzip wertlos. Umso ärgerlicher, dass es die meisten Vitaminpulver nur in relativ großen Abpackungen gibt! Mithilfe des Salzstreuers lässt sich das Futter leicht zweimal im Monat ” überzuckern “. Ist man zu großzügig mit dem Vitaminpulver, mögen es viele Schlangen nicht, zudem besteht die Gefahr, dass die fettlöslichen Vitamine A und D überdosiert werden. Da sie billig sind, sind sie leider in vielen Vitaminpulvern in recht hoher Dosierung enthalten, die für fleischfressende Reptilien nicht nötig ist. In einem zweiten Salzstreuer habe ich Futterkalk, den die Tiere etwa einmal monatlich getrennt von dem anderen Vitaminpulver erhalten. Calcium verhindert bei vielen Vitaminen und Spurenelementen die Aufnahme in den Körper! Futterkalk bekommt man leider meist nur in noch größeren Mengen, als die Vitaminpulver. Ich kaufte vor Jahren ein Kilo für meine Schildkröten, davon zehre ich immer noch. Allerdings hat das Zeug einen großen Vorteil: Es verdirbt nicht! Wichtig ist darauf zu achten, dass es ein reiner Futterkalk ohne Vitaminzusätze ist. Im Zoohandel wird man meist nicht fündig, wohl aber im Landhandel, bei uns im Norden zum Beispiel Raiffeisen. Wer nach Futterkalk fragt, wird dann allerdings meist mit 25 Kilogramm Säcken konfrontiert. Kleiner Tipp: der Landhandel kennt seine Kunden. Und er kennt sicher auch einen Landwirt, der, oft auch kostenlos, ein Kilochen für uns abzweigt.
Nun zur Praxis: So läuft bei mir ein Futtertag ab: Zunächst setze ich die gierigen Fresser einzeln in so genannte Fütterungsbecken, sofern ich sie nicht sowieso einzeln halte (trächtige Weibchen), ähnlich ergeht es den schüchternen Tieren, die nur alleine fressen. Dann erst hole ich das Futter aus dem Gefrierschrank. Wer sich nach dem Sinn dieser Reihenfolge fragt, kann gerne einmal mit einer nach Futter riechenden Hand in einem Strumpfbandnatternbecken hantieren. Insbesondere Weibchen sind sehr pragmatisch. Alles was nach Futter riecht und sich bewegt, ist auch Futter! Nach dem man einmal ein Tier an der Hand hängen hatte, verzichtet man freiwillig auf solche Experimente. Was man in einem solchen Fall tun kann, könnt ihr genauer im Kapitel Handhabung und Pflege nachlesen, einiges werde ich auch noch an späterer Stelle in diesen Artikel dazu sagen. Nun nehme ich mir entsprechend große Weckgläser und zähle die Menge gefrorener Futtertiere, die ich brauche, in die Gläser. Dann werden diese mit lauwarmem (nicht heißen!) Wasser aufgefüllt. Heißes Wasser würde zum einen unnötig Vitamine zerstören, zum anderen kann der Stint dadurch regelrecht gekocht werden und eine ziemlich schmierige Konsistenz annehmen. Während das Futter auftaut, lege ich mir Gummihandschuhe, einen Teller für die Abfälle, eine scharfe Haushaltsschere und die Futternäpfe zurecht.
Früher habe ich als Futternäpfe Weckglasdeckel verwendet, die sich dafür auch sehr gut eignen. Allerdings müssen diese nach jeder Nutzung abgewaschen werden, was bei wenigen Tieren kein Problem ist. Wenn man allerdings wie ich etwa 50 Terrarien hat, ist das schon eine etwas mühsame Angelegenheit. Bei Alan Francis in England lernte ich eine praktische Alternative kennen. Ich scheide aus Pappe Stücke passender Größe, die ich nach der Fütterung in der Biotonne entsorgen kann. Als Nächstes teile ich jedem Terrarium beziehungsweise Tier die Futtertiere in entsprechender Größe zu. Apropos entsprechende Größe. Wie alle Schlangen sind Strumpfbandnattern gegebenenfalls in der Lage, im Verhältnis zu ihrer Größe riesige Futtertiere zu verspeisen. Das ist zwar spektakulär anzugucken, aber für die Tiere schwer verdaulich. Zum Verdauen von Futtertieren muss die Schlange erstmal Energie aufwenden und zwar umso mehr, je schwerer das Futter im Magen und Darm aufgeschlüsselt werden kann. Bei eher großen Futtertieren muss die Schlange also vielmehr Energie aufwenden, als wenn man mehrere kleine oder zerteilte Beutetiere füttert. Aus diesem Grund werden zu große Futtertiere auch wieder ausgewürgt. Bei Babyschlangen gilt die Regel, dass die Futterbrocken maximal (!) so groß wie der Schlangenkopf sein sollten.
Hier kommt nun die Haushaltsschere zum Einsatz. Damit lässt sich sowohl Fisch als auch Maus mühelos in die passenden Stücke zerteilen. Eine andere Möglichkeit ist es, das Futter noch im teilweise gefrorenen Zustand mit einem scharfen Messer zum zerteilen. Ich persönlich finde die Schere praktischer. Adulte Weibchen und Männchen bekommen ihre Futtertiere ganz (zur Orientierung: Körpergewicht ab etwa 30 bis 40 Gramm), alles was kleiner ist, bekommt das Futter nach obiger Daumenregel zerteilt. Seitdem ich bei einem anderen Züchter einmal ein Strumpfbandnatternbaby sah, dem ein Fischkopf im Magen steckte, schneide ich etwa im ersten Lebensjahr die Fischköpfe ganz ab. Gegebenenfalls wird das Futter nun mit Vitaminen oder Kalk überpudert. Ist das Futter zugeteilt, kommt das servieren.
Am besten stellt man das Futter zunächst in die Becken mit den ruhigen Fressern. Dann regen sich die Gierigen zwar auf, aber man kann in Ruhe das Futter verteilen. Steht in jedem Becken ein Napf, setze ich mich in Hab-acht-Stellung ins Zimmer und passe mindestens eine Stunde auf. Worauf? Auf das, woran man sich als Strumpfbandnatternhalter, der die Tiere gemeinsam hält, gewöhnen muss. Der Futterbrocken, in den die Partnerschlange gerade gebissen hat, schmeckt natürlich besser als der ganze Futternapf! Wahrscheinlich spielt hierbei auch der Bewegungsreiz eine Rolle, jedenfalls neigen die Tiere dazu, sich in ein Futterstück zu verbeißen. Den Rekord bei mir halten fünf Tiere, die unbedingt alle den gleichen Stint haben wollten. Sofort beginnt ein unüberhörbares Gerangel und ich behalte die Tiere scharf im Auge. Die meisten Tiere lassen rechtzeitig los, aber es kommt auch vor, dass bei dem Tauziehen eine Schlange ihre Kiefer über den Kopf der anderen Schlange bekommt und diese versehentlich mit frisst, was dann leider oft beide Tiere nicht überleben. Hier muss man als Halter beherzt eingreifen. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass die Zähne der Strumpfbandnattern ähnlich wie die Krallen einer Katze nach hinten gebogen sind und sich in der Haut festhaken. Die Tiere können oft gar nicht mehr so schnell loslassen. Das hilft ihnen, in der Natur glitschige Fische und Frösche zu fangen, für uns bedeutet das, dass man die Zähne fest verbissener Tiere nur durch ” Aushaken ” wieder losbekommt. Trotzdem: keine Panik! Haben sich die Tiere zunächst nur in das gleiche Futterstücke verbissen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Meistens lässt eine der beiden nach kurzem Tauziehen wieder los. Das ist die angenehmste Variante für alle Beteiligten. Bei vielen anderen reicht es aus, wenn man an das Becken tritt und/oder die Terrarientür öffnet. Zumindest eines der Tiere erschreckt durch den Schatten und lässt dann los. Reicht das nicht, tippt man einem der beiden Tiere leicht auf den Kopf, damit haben sich 99 Prozent der Fälle erledigt. Gelingt das nicht oder hat gar ein Tier ein anderes schon zum Teil verschlungen, heißt es beherzt zugreifen, den Kopf der Siegerschlange packen, mit dem Fingernagel unter den Kiefer hebeln und Zähne aushaken. Oft ist die Schlange dann so erschrocken, dass sie den Teil der anderen Schlange, der noch in ihr steckt, freiwillig auswürgt. Zumindest Weibchen können allerdings so hungrig sein, dass sie sich direkt danach den nach Futter riechenden Finger vornehmen. C’ est la vie, Kiefer mit dem Fingernagel loshebeln, Zähne aus dem Finger haken und das Tier möglichst schnell ins Terrarium “schmeißen”. Das hört sich jetzt brutal an, aber ich schwöre euch, habt ihr einmal mit einem Becken von mehreren trächtigen oder aus sonstigen Gründen hungrigen Weibchen zu tun gehabt, seid ihr verdammt froh, wenn die Tür wieder zu ist. Manche empfehlen auch, in einanderer verbissene Tiere unter den Wasserhahn zu halten, damit sie wieder loslassen. Meinen Schlangen war das bisher immer völlig egal. Sind die “lieben Tierchen” satt, kann man wieder gefahrlos im Becken hantieren. Während der Fütterung beobachte ich, ob wirklich alle Tiere Futter abbekommen.
Bei einzelnen gesetzten Tieren kann man da ganz ruhig sein, aber in Gemeinschaftshaltung muss man immer alle im Auge behalten. Nach etwa 20 Minuten hat sich die größte Aufregung gelegt. Die gierigen haben das Futter schon verspeist. Haben im betreffenden Becken alle etwas abgekommen, entfernte ich den Futternapf und die Sache ist erledigt. Falls nicht, mache ich mir mit einem wasserfesten Folienschreiber eine Markierung an das Becken. Kommt das häufiger vor, ist das Tier entweder schüchtern oder krank und ich muss es einzeln setzen(Vgl. hierzu den Artikel „Meine Stinte freß ich nicht” Teil eins). Oft genügt es auch, wenn man die Gierigen herausnimmt und dem schüchternen Tier etwas Zeit alleine lässt. Nach etwa einer halben Stunde verlasse ich den Raum, bin aber in Hörweite, um bei verräterischem Gepolter sofort reagieren zu können. Viele schüchterne Tiere fressen nur, wenn keiner im Raum ist. Bei Babies lasse ich das Futter oft mehrere Stunden, eventuell auch über Nacht. im Becken stehen, bei den anderen nehme ich es nach etwa einer Stunde heraus. Danach sortiere ich alle Tiere zurück in ihre Becken. Da die Strumpfbandnattern wie alle Reptilien ausreichend Wärme für die Verdauung ihres Futters benötigen, füttere ich immer so, dass noch mindestens zwei Stunden in den Terrarien Licht brennt. Ist es den Tieren zu kalt, oder stresst man sie zu sehr, würgen sie oft Teile des Futters wieder aus. Kommt das nur einmal vor, ist das kein Grund zur Beunruhigung, gerade bei trächtigen Weibchen ist das Auge oft größer als der Magen (die Babies brauchen auch noch Platz…) und sie würgen einen Teil des gefressenen Futters wieder aus. Würgt ein Tier allerdings häufiger Futter aus, kann es an dem dabei entstehenden Flüssigkeitsverlust sterben! Auswürgen ist auch oft ein Anzeichen für Parasiten. Noch einmal der Übersichtlichkeit halber: die Ursachen für Auswürgen sind Überfressen (harmlos), zu kaltes Becken, Stress oder Krankheiten. Die letzten drei sind nicht harmlos!
Eine normale Strumpfbandnatter hat immer Hunger, allerdings sollte man sie auch nicht mästen. Wie beim Menschen auch ist Übergewicht für Schlangen nicht gesund! Das gilt insbesondere für Babies. Auch bei ihnen ist manchmal das Auge größer als der Magen. Der harmloseste Fall ist der, dass das Tier zu schnell wächst und Skelettschäden entwickelt, der schlimmste ist, dass das Tier das Futter nicht verdauen kann und an den bei der Verwesung entstehenden Giftstoffen stirbt. Ich halte allerdings auch nichts davon, Babyschlangen nur einmal wöchentlich zu füttern. Diese Tiere wachsen oft sehr langsam und meiner Meinung nach ist es wahrscheinlicher, dass eine Babyschlange in der Natur alle paar Tage einen Regenwurm findet, als dass sie sich einmal pro Woche satt fressen kann! Ich will aber nicht verschweigen, das ist darüber unterschiedliche Ansichten gibt. Damit wäre das meiste zum Thema Fütterung gesagt.
Noch einige Worte zum Thema Lebend- oder Todfutter? Selbstverständlich entspricht Lebendfutter den Bedingungen in der Natur am meisten. Ich selber füttere allerdings außer in den oben erwähnten Notfällen nur tot und das aus mehreren Gründen. Zum einen mag ich keine lebenden Tiere verfüttern, außer wenn es notwendig ist. Zum Zweiten ist die Beschaffung von Lebendfutter meistens schwieriger als die von Todfutter. Drittens kann es einem passieren, dass die Tiere nach Lebendfuttergabe danach kein Todfutter mehr anrühren! Hat man einen solchen Kandidaten, ist guter Rat teuer! Es gibt aber auch noch andere Gründe, weshalb man manchmal Tiere ein anderes Futter gewöhnen muss, zum Beispiel, wenn der Vorbesitzer anders füttert, als man selber. In solchen Fällen ist es dringend anzuraten, sich vom Vorbesitzer eine kleine Futtermenge zum Umgewöhnen mitgeben zu lassen. Also neben einer Styroporbox für die Tiere eventuell noch eine Kühltasche zum Tierkauf mitnehmen. Zur Gewöhnung an ein anderes Futter mischt man das neue zunächst in kleinsten Mengen unter das gewohnte und steigert dann sehr langsam den Anteil des neuen Futters. So gelingt es meistens, die Tiere umzugewöhnen. Manche allerdings sind konsequent. Ich habe mehrere Tiere, die nur Babymäuse fressen, und auch bei kleinsten zugesetzten Fischmengen das Futter verweigern. Sie mögen eben keinen Fisch.
Bisher veröffentlichte Artikel
Mikronährstoffe bei Reptilien
Erschienen in The Garter Snake Juli 2005
Es gibt wohl nur wenige Fragen, die in der Haltung von Schlangen und allen anderen Haustieren (aber auch beim Menschen) so oft diskutiert werden, wie die Frage: Soll ich meinen Schlangen Vitamine und Spurenelemente füttern oder nicht? Und wenn ja, wie viel?
Zum Einen ist klar, das keinem wildlebenden Tier jemals Multivitaminpülverchen begegnen, andererseits ist es uns in Gefangenschaft nicht möglich, ein annähernd so große Futterauswahl anzubieten wie in Freiheit.
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Die Schwierigkeiten insbesondere der Vermehrung von Thamnophis sirtalis melanistisch veranlassten mich, mich mit folgender Frage intensiv zu beschäftigen:
Wozu braucht der Körper Vitamine und Spurenelemente eigentlich?
Darüber möchte ich euch berichten. Die Frage nach der Dosierung wird sich wohl auch in Zukunft kaum beantworten lassen, denn Experimente sind schwierig bis unmöglich durchzuführen und wer ist schon für Tierversuche? Also werden die Erkenntnisse vom Menschen auf Tiere übertragen und umgekehrt. Dieses bringt Probleme mit sich, den Mensch und Schlangen sind zwar beides Wirbeltiere, weswegen ihr Stoffwechsel viele Parallelen aufweist, aber doch auch sehr verschieden, den Menschen sind gleichwarme Tiere und Schlangen, wie wir alle wissen, wechselwarme Tiere. Da die Funktionen der Mikronährstoffe im Stoffwechsel jedoch gleich oder zumindest sehr ähnlich sind, habe ich in den folgenden Ausführungen Mensch und Schlange nicht ganz exakt getrennt (also auch ruhig mal einen Blick auf die eigene Ernährung werfen). Zum Beispiel werden wir unsere Schlangen kaum mit Möhren füttern(enthalten wichtige Vorstufen von Vitamin A), aber für jemanden, der seine eigenen Futtertiere züchtet, sind auch solche Bemerkungen interessant. Hierzu ist noch zu sagen, dass ein Futtertier unseren Schlangen nur das zuführen kann, was es selbst zu fressen bekommen hat!!!
Literatur über Mikronährstoffe in der Reptilienernährung konnte ich nicht allzu viel auftreiben, alle Angaben sind aus:
Dr. L. Ackerman – Atlas der Reptilienkrankheiten
Die detaillierten Angaben über einzelne Mikronährstoffe sind aus den Büchern für Menschen:
Burgerstein/Schurgast/Zimmermann – Handbuch Nährstoffe und
Biesalski/Köhrle /Schühmann – Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe
Allgemeines zum Thema Fütterung und Futtertierauswahl bitte ich in Büchern wie
Martin Hallmen – Strumpfbandnattern etc nachzulesen.
Nur eines möchte ich erwähnen: Reptilien sind wechselwarme Tiere und sind auf genügende Wärmezufuhr angewiesen!!! Die Verdauung arbeitet nur bei einer Mindesttemperatur um ca. 30 Grad Celsius! Zu kühl gehaltene Reptilien verhungern mit gefülltem Bauch bzw. verweigern das Futter ganz!!!
Genug der Vorrede. Zunächst einmal unterscheiden wir zwischen fettlöslichen (Eselsbrücke: EDEKA) und den wasserlöslichen Vitaminen. Wozu soll das denn gut sein? Fettlösliche Vitamine können im Körperfett des (Futter-)Tieres gespeichert werden, während wasserlösliche in der Regel (Ausnahmen gibt’s auch…) nicht gespeichert werden können, und deshalb regelmäßig zugeführt werden müssen. Die Medaille hat jedoch noch eine Kehrseite. Gerade weil fettlösliche Vitamine gespeichert werden, können sie bei Überdosierung zu eventuell tödlichen und sehr schwer behandelbaren Vergiftungen führen. Deshalb jetzt bitte nicht nach dem Motto „Vitamine sind gesund” des Guten zu viel tun!
Bei Mineralstoffen unterscheiden wir zwischen Mengenelementen und Spurenelementen. Wie die Namen schon verraten, braucht der Körper die einen in größeren Mengen und die anderen in Spuren. Das kann man sich wenigstens gut merken. Aber auch hier ist der Begriff „Spuren” wörtlich zu nehmen. Eine ganze Reihe der Spurenelemente sind bei Überdosierung giftig!
Viele Vitamine und Mineralstoffe arbeiten nicht alleine in unserem Stoffwechsel, sondern ergänzen sich gegenseitig. Arbeitsteilung sozusagen. Deshalb habe ich mich entschlossen, diese so weit möglich parallel zu besprechen und Daniel Grübner wird versuchen, die zusammengehörenden Artikel auch zusammen in der TGS zu veröffentlichen. Zum Teil habe ich die Texte stichwortartig verfasst, sonst nähmen die Artikel riesige Ausmaße an. Ich hoffe, bei der Informationsflut kommt der Spaß nicht zu kurz. Auf geht’s ins ABC der Mikronährstoffe!
Nährstoffmangel-Erscheinungsformen und Auswirkungen
Erschienen in The Garter Snake April 2006
Ein Mangel eines Mikronährstoffes entsteht in der Regel in mehreren Stufen. Man spricht zunächst von einer prälatenten Phase. Das bedeutet, dass der Körper zu wenig z. B. Vitamin B1 bekommt und so seine Speicher, sofern vorhanden, leeren muß. Zudem versucht der Organismus, möglichst wenig des entsprechenden Nährstoffes auszuscheiden. Symptome treten in dieser Phase noch nicht auf. Beim Menschen beginnt in dieser Phase ein Sinken der Blutwerte.
In der nächsten Phase, dem latenten Nährstoffmangel, sind die Körperspeicher leer. Der Körper hat bereits Probleme, die nötigen Enzyme und Hormone(dazu werden Mikronährstoffe vor allen gebraucht) herzustellen und die ersten Symptome werden sichtbar, allerdings sind diese oft sehr unspezifisch. Beim Vitamin B1, dessen genaue Beschreibung diesem Artikel folgt, ist dies z. B. verminderter Appetit, mehr oder weniger deutlicher Gewichtsverlust auch trotz guten Fressens und /oder eine beginnende körperliche Schwäche. Wer kann das bei seinen Tieren schon so genau feststellen? Und dummerweise sind diese Symptome bei vielen anderen Krankheiten und anderen Mangelzuständen auch vorhanden!
Hierzu ein Beispiel aus der Praxis. Ich bekam von einem befreundeten Züchter ein Sirtalis-Männchen zur Ergänzung meiner Zucht(Transport = Streß = erhöhter Vitamin-B1-Bedarf!). Von Anfang an fand ich, dass das Tier wenig fraß. Allerdings hatte ich nur melanistische Tiere zum Vergleich. Er fraß am Anfang nie mehr als einen kleinen Stint pro Fütterung. Damit er einigermaßen was in den Magen bekam, fütterte ich ihn zweimal wöchentlich. Maus lehnte er völlig ab, hin und wieder brach er seinen Rekord und fraß 2 kleine Stinte, um dann bei der nächsten Fütterung gar nichts zu fressen. Rein routinemäßig bekam er wie alle anderen meiner Tiere mit der Schlundsonde eine Dosis B-Vitamine eingetrichtert. Kurze Zeit später erkannte ich ihn nicht wieder. Er bewegte sich plötzlich lebhaft im Terrarium(sein ruhiges Verhalten vorher hatte ich als Scheuheit akzeptiert). Und er futterte plötzlich wie ein Scheunendrescher! 2 Babymäuse pro Fütterung ist nun eine seiner leichtesten Übungen. Und er wurde letztes Jahr erfolgreich Papa.
Dieses ist das Erfreuliche an einem latenten Nährstoffmangel. Er ist reversibel, das heißt, der Körper erholt sich davon vollständig.
In der nächsten Phase, dem manifesten Nährstoffmangel, ist das leider nicht immer der Fall. Hier sind die Organe des Körpers geschädigt. Es treten nun die ernsthaften Symptome auf, beim B1-Mangel die körperliche Schlappheit, die Krämpfe und Muskelzuckungen, Atemstörungen aufgrund der Schädigung des Herzens. Diese sind nun zwar oft wenigstens spezifisch, d.h. man kann an den Symptomen erkennen, welcher Nährstoff fehlt, aber eben oft nicht mehr vollständig heilbar. Dies erklärt, warum ein fortgeschrittener Vitamin-B 1 Mangel tödlich ist. Es bleibt uns also neben einer möglichst ausgewogenen Fütterung nur, unsere Tiere genau zu beobachten um die ersten Symptome nicht zu übersehen. Alle Mangelerkrankungen entwickeln sich schleichend und dann kann ein erhöhter Bedarf durch Transportstreß, Parasiten oder eine Trächtigkeit das Faß zu Überlaufen bringen!
Quellen:
Dr. L. Ackermann-Atlas der Reptilienkrankheiten
Burgerstein/Schurgast/Zimmermann-Handbuch Nährstoffe
Biesalski/ Köhrle/Schlühmann-Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe
Vitamin B 1 = Thiamin
Erschienen in The Garter Snake April 2006
Thiamin ist eines von vielen Vitaminen des so genannten B-Komplexes. Sie sind in der Regel wasserlöslich. Das hat den Vorteil, dass eine (mäßige!) Überdosierung kein Problem ist, aber der Körper hat nur eine geringe Speicherkapazität für Thiamin, sodass eine regelmäßige Zufuhr von diesem Vitamin nötig ist, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Thiamin-Mangel ist bei Strumpfbandnattern ist ein bekanntes Problem, da Fische ein Enzym(Thiaminase) enthalten, das Thiamin im Körper zerstört. Der Gehalt ist bei verschiedenen Fischen allerdings unterschiedlich und durch Einfrieren des Futters wird er nicht beeinflusst. Allenfalls Hitze über 60 Grad würde das Enzym inaktivieren, aber welche Schlange kriegt in der Natur schon gegartes Futter?.
Funktionen:
Thiamin bildet in Körper mit Magnesium eine Verbindung, die lebenswichtig für die Energieproduktion im Körper und damit für den gesamten Stoffwechsel ist. Fehlt es, verhungert der Körper trotz Nahrungszufuhr.
Thiamin ist für die Nervenfunktionen notwendig, denn es befindet sich in den Zellwänden der Nervenstränge und ist so an der Übermittlung von Nervenimpulsen aus dem Gehirn und den peripheren Nervenzellen im Rest des Körpers beteiligt. Es ist nötig zur Produktion von Botenstoffen dem Gehirn.
Thiamin spielt bei der Synthese von Kollagen, das ist einer der wichtigsten Bausteine des Bindegewebes im Körper, eine wichtige Rolle.
Ursachen von Mangelzuständen:
Das wichtigste Problem habe ich oben bereits angesprochen. Bei einer ausschließlichen Fütterung mit Fischen ist eine zusätzliche Gabe von Thiamin notwendig.
Eine Folsäuremangel verschlechtert die Aufnahme von Thiamin und kann zu einem Thiaminmangel beitragen.
Der Körper besitzt keine umfangreichen Thiaminspeicher. Deshalb kann ein Mangelzustand entstehen, wenn der Bedarf an Thiamin wegen körperlicher Anstrengung, Stress(Transport!!!), Verletzungen, Lebererkrankungen oder wegen Wachstums und daher natürlich auch in der Trächtigkeit erhöht ist.
Thiamin ist wasserlöslich, und geht deshalb beim Auftauen von Futter in Wasser verloren! Dass Einfrieren hingegen beeinträchtigt den Thiamingehalt nicht.
Symptome von Mangelzuständen:
Schon ein geringer Thiaminmangel kann zu wachsenden Appetitverlust, Verdauungsstörungen, Verstopfung, Reizbarkeit, Depressionen, und Schwächezuständen führen. Diese Symptome übersieht man bei Reptilien natürlich leicht. So treten dann schwerere Störungen auf, die beim Menschen auch als Beri-Beri-Krankheit bekannt sind. Im Blut finden wir eine Anämie, das heißt ein Mangel an roten Blutkörperchen. Dies verschlechtert die Sauerstoffversorgung des Körpers.
Durch den Mangel an Botenstoffen im Gehirn entstehen beim Menschen Verwirrungszustände, Lern- und Gedächtnisstörungen, schwankender Gang, häufig Kopfschmerzen.
Das Herz kann sich vergrößern, denn der Sauerstoffmangel signalisiert ihm: arbeite! Dies führt zu Herzklopfen, im Endstadium Herzversagen, Ödemen(Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe), niedrigem Blutdruck, und dadurch auch einer Kurzatmigkeit, die nichts mit den Atemwegen zu tun hat.
Das Immunsystem kann nicht genügend Antikörper produzieren, sodass die Abwehrkräfte und die Wundheilung verringert sind.
Die gestörte Energieproduktion führt zu Müdigkeit, Muskelschwäche, und einem allgemeinen Schwächezustand, der durch die gestörte Kollagensynthese noch verstärkt wird. Die Bewegungsfähigkeit verringert sich oder es entstehen Krämpfe.
Die Symptome bei Reptilien sind natürlicherweise schwieriger zuerkennen. Oft ist ein kontinuierlicher Verlust von Körpermasse ein ernster Hinweis, gerade wenn das betreffende Tier ausreichende Mengen Fisch frisst. Danach wird das Tier zunehmend appetitlos, und oft kann man auch die körperliche Schwäche fühlen.
Die manifesten Symptome d. h. die offensichtlich sichtbaren, betreffen hauptsächlich das Nervensystem und äußern sich in Muskelzittern und Muskelkrämpfen, Lähmungen, Muskelschwund, Lungenödemen (sichtbar durch Atemstörungen) und eingesunkenen Augen. Bei Strumpfbandnattern sieht man oft ein charakteristisches Hochwerfen des Kopfes. Dann wird es allerdings allerhöchste Zeit, das Tier zu behandeln. In diesem Stadium muss die Behandlung mit Injektionen erfolgen. Laut Ackermann “Atlas der Reptilienkrankheiten” liegt die Dosierung bei dreimal wöchentlich zehn bis 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht oder 80 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht einmal wöchentlich. Zur Vorbeugung wird empfohlen, jedes Kilo Futterfisch vor den Verfüttern mit mindestens 20 Milligramm Vitamin B 1 zu versetzen. Eine solche Menge ist zwar nicht abzuwiegen, aber eine Überdosierung ist relativ unbedenklich. Wer Vitaminpulver verfüttert, sollte sehr genau das Etikett lesen, denn der Thiamingehalt bei verschiedenen Firmen ist unterschiedlich.
Insbesondere bei pflanzenfressenden Reptilien ist bekannt, das in ihren Darm durch die natürliche Darmflora viele zum B-Komplex gehörende Vitamine, darunter auch Thiamin produziert werden. Eine Antibiotikatherapie kann die natürliche Darmflora zerstören, und so zu einem Thiaminmangel führen. Daraus folgt, dass man nach jeder Antibiotikatherapie seine Tiere sehr gut beobachten sollte.
Behandelt man einen Thiaminmangel rechtzeitig, wird sich das Tier wieder vollkommen erholen. Allerdings muss man unbedingt die Behandlung über längere Zeit fortführen, damit auch die latenten Symptome wirklich verschwinden.
Quellen:
Dr. L. Ackermann-Atlas der Reptilienkrankheiten
Burgerstein/Schurgast/Zimmermann-Handbuch Nährstoffe
Biesalski/Köhrle/Schlühmann-Vitamine, Spurenelemente und Minerakstoffe
Vitamin A
Erschienen in The Garter Snake Juli 2005
Vitamin A gehört zu den fettlöslichen Vitaminen. Dieses sollte man wissen, denn erstens ist die Aufnahme von Vitamin A an die Aufnahme von Fett gebunden und zweitens kann es sich im Körper anreichern. Es gibt verschiedene Formen von Vitamin A. Retinol kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor und kann vom Körper direkt verwertet werden. In pflanzlichen Lebensmitteln sind nur Vorstufen enthalten, die große Gruppe der Carotinoide. Betacarotin(enthalten z. B. in Möhren) kann direkt resorbiert( d. h. in den Körper aufgenommen) und von den Zellen des Verdauungstraktes zu Vitamin A umgewandelt werden.
Funktionen:
Vitamin A ermöglicht den Eiseneinbau bei der Bildung von roten Blutkörperchen und sichert damit die Sauerstoffversorgung des Körpers.
Zudem wird es für den Eiweißstoffwechsel benötigt: je mehr Protein wir zu uns nehmen, desto höher ist der Vitamin-A-Bedarf und umgekehrt: eine zu proteinreiche Ernährung führt zu Vitamin-A-Mangel. Stress verbraucht Proteine, deshalb steigt der Proteinbedarf und damit auch der Vitamin-A-Bedarf.
Vitamin A wird beim Fettstoffwechsel in der Leber benötigt.
Es ermöglicht das normale Zellwachstum der Haut und der Wände der Atem-, Verdauungs-und Harnwege. Damit ist es an der Schutzbarriere zur Umwelt beteiligt und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen. Dieses wird noch dadurch verstärkt, daß es zu der Produktion von Antikörpern in den weißen Blutkörperchen beiträgt.
Vitamin A wird beim Sehen verbraucht, und ist zur Regeneration des Sehpurpurs nötig.
Vitamin A ist nötig für den Knochenaufbau, besonders während des Wachstums und nach Knochenbrüchen.
Es ermöglicht die Funktionen der Nervenzellen insbesondere im Gehirn, im Rückenmark, aber auch in den peripheren Nerven(das sind die im Rest des Körpers).
Vitamin A ist nötig für die Synthese der Geschlechtshormone Testosteron(herrschen beim männlichen Wesen vor) und Östrogen(vorherrschend beim weiblichen Geschlecht) und sichert die Spermienqualität beim Mann.
Wachstum und Entwicklung: Vitamin A unterstützt und reguliert das Zellwachstum, es ist besonders wichtig beim Aufbau von Haut, Augen, Haaren, Schleimhaut, Lymphgefäßen, Geschlechtszellen, Zähnen und Knochen. Bei Reptilien reagieren Häutungsprobleme manchmal auf Vitamin A(siehe auch Überdosierung…).
Ursachen für Mangelerkrankungen:
Durch Proteinverbrauch erhöhen Stress, Entzündungen oder Operationen den Vitamin-A-Bedarf. Ebenso (Passiv)-Rauchen und übermäßiges Sonnenlicht.
Anzeichen von Mangelzuständen:
Trockene, rote Augen, schlechtes Sehen bei Nacht, Verlust der Sehkraft.
Bildung einer Eisenmangelanämie
Infektanfälligkeit
Arteriosklerotische Herzerkrankungen
das Krebsrisiko steigt
Ermüdungserscheinungen
ein verringertes Wachstum bei Jungtieren und Föten
herabgesetzte Vermehrungsfähigkeit und Fruchtbarkeit
trockene, rauhe, juckende Haut mit Hautausschlägen
verringerter Geruchssinn, Tastsinn und Appetit
Bei Reptilien(insbesondere Wasserschildkröten) äußert sich ein Vitamin-A-Mangel insbesondere in Entzündungen der Augen(sichtbar) und an den Schleimhäuten der Lunge und des Verdauungstraktes(leider unsichtbar). Dieses sorgt zum einen für eine erhöhte Infektanfälligkeit, die, siehe oben, bei Vitamin-A-Mangel sowieso gegeben ist, als auch für eine schlechtere Verdauung des Futters, was den Zustand nicht gerade verbessert.
Nahrungsvorkommen:
Natürliche Quellen sind Leber, also vollständige Futtertiere, frischer Fisch, Lebertran und gelborange Gemüse. Sie enthalten Carotinoide als Vorstufen von Vitamin A .
Zufuhrempfehlungen: Leider keine konkreten Angaben.
Überdosierung möglich?
Ja! Allerdings tritt dieses Problem hauptsächlich bei einer Injektion auf. Schildkröten kommen dann in den ” Genuß ” einer sich praktisch komplett ablösenden Haut. Dass sie dieses selten überleben, leuchtet ein. Andere Folgen einer Überdosierung sind nicht so auffällig. Zum Beispiel Knochenwucherungen auf den Knochenoberflächen und Leberschwellungen.
Anzeichen für toxische Reaktionen auf Vitamin A:
ein erhöhter Kalziumgehalt des Blutes führt zu Ablagerungen in den Blutgefäßen
Haarausfall, Kopfschmerzen, verschwommene Sicht
schmerzende Knochen und geschwollene Gelenke
Schwindel, Erbrechen, Durchfall
trockene Haut und Lippen
Vergrößerung von Leber und Milz
verringerte Schilddrüsentätigkeit, was sehr weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel hat.
Vitamin C hebt die toxische Wirkung von Vitamin A teilweise auf. Mit Carotinoiden und Vitamin A aus natürlichem Futter ist so leicht keine Überdosierung möglich. Problematisch ist eine selbst kurzzeitige Überdosierung insbesondere für Schwangere. Es treten dann Missbildungen auf. Da unsere Strumpfbandnattern im Gegensatz zu anderen Schlangen plazentaähnliche Strukturen besitzen, ist eine Übertragung auf die Embryonen denkbar und deshalb Vorsicht geboten.
Vitamin D
Erschienen in The Garter Snake Juli 2006
Vitamin D ist das einzige Vitamin, dessen aktive Form ein Hormon ist. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Vitaminen. Vorstufen werden mit der Nahrung aufgenommen. Vitamin D3 ist dabei die aktive Form, die im Körper NUR!!! unter UV-Bestrahlung gebildet wird. Bei jungen Menschen genügen zehn bis fünfzehn Minuten Sonne auf Hände, Arme und Gesicht mehrmals pro Woche. Es gehört zu den fettlöslichen Vitaminen. Das hatten wir doch schon einmal! Genau! Fettlösliche Vitamine können nur in Verbindung mit Fett in der Nahrung in den Körper aufgenommen werden, werden im Körperfett gespeichert und können deshalb überdosiert werden. Dazu später mehr.
Nach der Aufnahme der Vorstufen aus Lebensmitteln wie zum Beispiel Eigelb, Leber, Sesamöl, Fisch und Fischöl oder der Synthese in der Haut wird Vitamin D in der Leber in eine Speicherform umgewandelt und im Bedarfsfall in der Niere in seine aktive Form gebracht. Daraus folgt, dass eine gute Funktion von Leber und Nieren Voraussetzung für eine optimale Vitamin-D-Versorgung ist.
Funktionen:
Vitamin D wird während des ganzen Lebens zum Knochenaufbau gebraucht, denn die Knochen werden permanent umgebaut. Es ist nötig zur Erhaltung der Knochendichte und Stärke.
Vitamin D ermöglicht die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung, es hat quasi eine „Taxifunktion”, und erhöht so die Kalziumsspeicher im Körper. Zusätzlich sorgt es für die Ablagerung von Mineralien(unter anderem auch Calcium) in den Knochen und Zähnen.
Es unterstützt die Aktivierung und Reaktionen der weißen Blutkörperchen bei Infektionen und ist so für das Immunsystem notwendig. Hierzu eine interessante Bemerkung aus der Reptilia August/September 2005. Sabine Winkle berichtet dort, dass Abzesse bei Grünen Leguanen bei Freilandhaltung unter natürlichem UV-Licht oft spontan abheilen!
Vitamin D hat eine wichtige Kontroll- und Regelfunktion bei der Bildung neuer Körperzellen. Dies ist insbesondere in der Trächtigkeit und im Jugendalter wichtig. Es verhindert das unkontrollierte Wachstum abnormaler Zellen.
Ursachen von Mangelzuständen:
Mit zunehmendem Alter verringert sich die Synthesefähigkeit der Haut rapide, Nierenschäden verhindern die Umwandlung in die aktive Form. Parasiten(z. B. Amöben) können durch Leber- oder Nierenschädigung, wenn die Schlange Pech hat, auch beides, den Vitamin-D-Status verringern, dadurch schwächen sie indirekt die Immunabwehr(siehe oben). Das Ergebnis ist leider für die Schlange oft endgültig.
Ungenügende Sonneneinstrahlung: Es steht oft geschrieben, bei Strumpfbandnattern sei eine UV-Bestrahlung nicht notwendig. Das mag jeder am Ende dieses Artikels selber entscheiden. Zur Information: Sonnenschutzmittel mit einem Faktor größer 8 verhindern die Synthese von Vitamin D in der Haut vollständig! Der schwarze Farbstoff Melanin dient in der Haut als Sonnenschutzmittel, es führt beim Menschen zur beliebten Sonnenbräune. Es ist durchaus denkbar, das melanistische Schlangen einen größeren Bedarf an UV-Bestrahlung haben.
Leber- und Gallenblasenerkrankungen sowie Störungen der Fettverdauung zum Beispiel Funktionsstörungen des Dünndarms oder eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung (Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen…) können ebenfalls zu einem Vitamin-D-Mangel führen.
Wie äußert sich ein Vitamin-D-Mangel?
Steht dem Körper zu wenig Vitamin D3 zur Verfügung, sinkt der Calciumspiegel im Blut. Durch Hormone aus der Nebenschilddrüse wird den Knochen das nötige Calcium entzogen. Im Prinzip führt ein Vitamin D3-Mangel also zu einem Calciummangel.
Dadurch kommt es:
Im Wachstum:
Zu verzögertem Wachstum und gestörter Entwicklung von Muskeln und Knochen, was sich in körperlicher Schwäche äußert. Es kann eine (schmerzhafte) Rachitis folgen, das heißt eine Aufweichung der Knochen mit Störung des Längenwachstums. Dies ergibt bei Echsen den „lustigen” Anblick von Tieren, deren Schädel so weich ist, das man mit dem Finger das ganze Gesicht eindrücken kann…
Gestörtes Immunsystem, Infektionsanfälligkeit
Tetanien(Muskelkrämpfe) und cerebrale(vom Kleinhirn ausgehende) (Krampf-) Anfälle
Reizbarkeit und Ruhelosigkeit sofern das Tier noch genügend Kraft hat bei Erwachsenen:
Verlust von Mineralien aus den Knochen (insbesondere Wirbelsäule, Becken, Extremitäten). Daraus entstehen Knochenschmerzen, Deformationen der Knochen, körperliche Schwäche und Knochenbrüche.
Verlust des Gehörs und Ohrensausen
gestörtes Immunsystem, dadurch ist unter anderem das Krebsrisiko erhöht.
Muskelschwäche
Dosierungsempfehlung:
Ein wöchentlicher Konsum von etwa 100 IE/kg Körpergewicht an Vitamin D3 soll ausreichen. Wichtig ist, das die Gabe von Vitamin D immer mit einer genügend calciumhaltigen Ernährung(Mäuse) oder entsprechenden Calciumgaben ergänzt wird, damit das Tier möglichst nicht sein in den Knochen gespeichertes Calcium mobilisieren muß.
Überdosierung:
Eine Überdosierung ist gerade bei Reptilien ein Problem, allerdings nur, wenn Vitamin D 3 über das Futter gegeben wird. Der Körper selber bildet nicht zuviel Vitamin D durch UV-Bestrahlung! Die einzige Gefahr bei künstlicher UV-Bestrahlung ist wie beim Menschen ein Sonnenbrand. Ich selber setze mich insbesondere mit trächtigen Tieren bei schönem Wetter für 10-15 Minuten in die Sonne, die Tiere zeigen es meist sehr deutlich, wenn es reicht. Im Terrarium müssen sie der UV-Bestrahlung immer ausweichen können! Ach ja, Glas filtert die UV-Strahlung komplett ab. Die Lampe muß also entweder über der Gazeabdeckung oder im Terrarium angebracht werden.
Es entstehen erhöhte Kalziumsspiegel im Blut, die zu Verkalkungen zum Beispiel in der Niere, dem Herzbeutel und den Blutgefäßen führen können. Auch in der Lunge können sich Caliumablagerungen bilden. Futtersorten, die eine solche Mineralisierung von Weichteilen auslösen können sind Hunde- und Katzenfutter, die für Reptilien zuviel Vitamin D3 enthalten. Damit ist also Vorsicht geboten!!!
Zusammenfassung:
Das fettlösliche Vitamin D3 ermöglicht die Aufnahme von Calcium in den Körper und ist unter anderem für das Funktionieren des Immunsystems und für die Zellteilung(Fortpflanzung!) wichtig. Vorstufen werden aus der Nahrung aufgenommen, sie müssen jedoch unter der Wirkung von UV-Licht und unter Mithilfe von Leber und Niere in die aktive Form Vitamin D 3 ungewandelt werden. Bei Verabreichung von Vitamin D3 besteht die Gefahr einer Überdosierung, bei der Calciumablagerungen in der Niere, dem Herzbeutel und den Blutgefäßen entstehen können.
Als ausreichende Dosierung empfiehlt Dr. L. Ackerman Wöchentlich 100IE Vitamin D3 pro Kilogramm Körpergewicht.
Quellen: Dr. L. Ackerman Atlas der Reptilienkrankheiten
Burgerstein/Schurgast/Zimmermann Handbuch Nährstoffe
Biesalski/Köhrle/Schümann Vitamine, Spurenelement und Mineralstoffe
Kalzium
Erschienen in The Garter Snake Oktober 2006
Kalzium ist der Mineralstoff, der im Körper am häufigsten vorkommt. Das Skelett eines erwachsenen Menschen enthält etwa 1-1,5 kg Kalzium.
Funktionen:
Kalzium hat für eine ganze Reihe lebenswichtiger Funktionen eine zentrale Bedeutung, deshalb wird das Körperkalzium sehr eng reguliert. Prinzipiell ist der Kalziumsstoffwechsel eng mit dem Phosphat-Stoffwechsel verknüpft, diesen spare ich jetzt allerdings erstmal aus, denn das Kalzium-Phosphor-Verhältnis spielt vor allem für pflanzenfressende Reptilien eine große Rolle. Nur noch einen Satz dazu: Damit der Körper es richtig verarbeiten kann, muß das Verhältnis Calcium: Phosphor etwa 1:1(ausgewachsene Tiere) bis 2:1(wachsende und trächtige Tiere) betragen. Der Körper reguliert den Kalziumblutspiegel zum einen über die Resorption des Kalziums aus dem Darm, die Mineralisierung oder Demineralisierung der Knochen, und der vorhandenen oder nicht vorhandenen Rückresorption von Kalzium aus dem Urin in der Niere. Für diese Regulation sind verschiedene Hormone insbesondere aus der Nebenschilddrüse erforderlich. Und natürlich sind ein gesunder Darm und eine funktionierende Niere dafür Vorraussetzung. Das ganze Verfahren ist ziemlich kompliziert, wen es interessiert, der kann sich in der Fachliteratur darin vertiefen.
Kalzium ist im Blut ein wichtiger Faktor innerhalb des Blutgerinnungssystems. Es ist also an der Stillung von Blutungen beteiligt. Auch für die Sekretion von Hormonen und Neurotransmittern(das sind Botenstoffe im Nervensystem), im Zellstoffwechsel und insbesondere auch bei der Zellteilung (nötig für die Fortpflanzung) sowie für den Zellzusammenhalt im Körpergewebe und die Funktionen der Zellmembranen ist Kalzium notwendig.
Sowohl die Skelettmuskulatur als auch der Herzmuskel funktionieren nur dann normal, wenn sich verschiedene, zum Teil komplexe Substanzen, darunter auch Kalzium und Magnesium in einem harmonischen Gleichgewicht befinden.
Im kompletten Nervensystem ist Kalzium zur Regulation der Reizleitung, d. h. zur Steuerung des Körpers notwendig.
99% des im Körper enthaltenen Kalziums befinden sich in den Knochen und Zähnen. Hier erfüllt Kalzium im wesentlichen zwei Funktionen. Einerseits sind Kalziumssalze neben der Kollagenmatrix(grob vereinfacht sind das Fasern, die für die Elastizität der Knochen verantwortlich sind) die zentrale Grundlage der mechanischen Stabilität des Skelettsystems, andererseits dient das im Skelettsystem vorhandenen Kalziumsphosphat als Reservoir, das bei unzureichender Zufuhr bzw. bei erhöhtem Bedarf benötigt wird.
Während des ganzen Lebens werden die Knochen permanent umgebaut(!!!).
Ursachen von Mangelzuständen:
Zunächst einmal kommt ein Zufuhrmangel in Frage. Eine langfristig zu geringe Zufuhr von Kalzium mit der täglichen Nahrung führt zu einer Unterversorgung des Körpers. Hierbei muss man beachten, dass der Körper Kalzium nur mit Hilfe von Vitamin D3 aus dem Darm in den Körper transportieren kann. In der Trächtigkeit muss das Weibchen das Knochengerüst ihrer Jungtiere zum Teil mit aufbauen. Deshalb ist der Kalziumbedarf in der Trächtigkeit erhöht(auch bei den Futtertieren…).
Ein zu hoher Eiweißanteil in der Nahrung (Hunde- oder Katzenfutter) steigert die Kalziumsverluste.
Alles was zu einem Vitamin-D-Mangel führen kann, führt automatisch auch zu einem Kalziumsmangel. Ebenso spielt vor allem bei pflanzenfressenden Reptilien ein Überschuss an Phosphor in der Nahrung, insbesondere bei Schildkröten, eine Rolle. Der Körper kann Calcium nur in die Knochen einbauen, wenn das Calcium-Phosphor-Verhältnis in der Nahrung sich im Bereich von 1:1 (erwachsene Tiere) bis 2:1 (Weibchen und Jungtiere) bewegt.
Versorgung mit Kalzium:
Es ist logisch, das auch bei den Futtertieren der Hauptanteil an Kalzium sich in den Knochen befindet. Reines Muskelfleisch enthält praktisch kein Kalzium, leider trifft dies auch auf Futterfisch zu, selbst wenn dieser ganz verfüttert wird. Immerhin ist es in Wasser relativ unlöslich, geht also beim Auftauen des Frostfutters in Wasser nicht verloren, auch das Einfrieren hat wenig Einfluß auf den Kalziumgehalt. Ist ja schon mal was. Zur Kalziumversorgung unserer Strumpfbandnattern bleiben also nur Futternager übrig. Hier ist es wichtig zu wissen, das neugeborene Mäuse und Ratten durch ihr Knorpelskelett nur einen sehr geringen Kalziumgehalt haben. Nur ausgewachsene und selber gut mit Kalzium versorgte Tieren stellen eine gute Kalziumquelle dar. Wer Einfluß darauf hat, sollte darauf achten das die Babymäuse und -Ratten mehrere Tage bei der Mutter saugen konnten, dadurch steigert sich der Kalziumgehalt. Ansonsten bleibt uns nur das Versetzen des Futters mit Kalziumpräparaten. Dr. L. Ackermann empfiehlt im Atlas der Reptilienkrankheiten 100 g Muskelfleisch mit 900 mg und 100 g Futterfisch mit 1,5 g Calciumcarbonat zu versetzen. Eine (moderate ) Überdosierung ist unbedenklich, vorrausgesetzt der Körper bekommt nicht zuviel Vitamin D! Wir erinnern uns, Vitamin D ist das Taxi für das Kalzium aus dem Magen-Darm-Trakt. Wird Kalzium alleine überdosiert, ist die schlimmste Folge Verstopfung, denn der Körper nimmt es nicht auf. Nur durch UV-Bestrahlung ist eine Überversorgung mit Vitamin D nicht möglich, mit Futterzusätzen allerdings schon. Ergänzt man das Futter mit Kalzium sollte man wissen, das Kalzium den Körper an der Aufnahme einer ganzen Reihe andere Mikronährstoffe behindern kann(deshalb sollte ein gutes Multivitaminpräparat nicht zuviel Kalzium enthalten). Es empfiehlt sich also, bei der Fütterung Kalziumgabe und andere Multivitaminpräparate abzuwechseln. Andrerseits benötigt der Körper zum Verarbeiten des Kalziums unter andrem auch Jod. Also das Etikett des Multivitaminpräparates genau lesen. Enthält das Präparat kein Jod, muß man dieses ebenfalls dazugeben. Auf die zentrale Position von Jod im Stoffwechsel komme ich in einem späteren Artikel. Lehnen die Tiere Calciumcarbonat ab(schmeckt ein bisschen naja), kann man auch Calciumlactat geben. Sein Kalziumgehalt ist zwar niedriger, aber der Körper kann es gut aufnehmen.
Folgen von Mangelzuständen:
Oft ist das erste Anzeichen das sichtbar wird, Muskelzittern, Muskelkrämpfe und eine erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems, die durch einen begleitenden Kalium- und /oder Magnesiumsmangel noch verstärkt werden kann. Also mal wieder völlig unspezifische Symptome, die man leicht übersieht. Es kann auch zu einem Herzversagen kommen. Die Knochen sind oft verdickt und können spontan brechen. Bei Jungtieren im Wachstum(sie wachsen auch während der Trächtigkeit im Muttertier…) ist das Knochenwachstum gestört, Mißbildungen treten auf. Die anderen Symptome entsprechen dem Vitamin-D-Mangel und können dort nachgelesen werden. Die extremen Formen werden wir bei unseren Strumpfbandnattern nicht sehen. Aber wer Probleme mit dem Wachstum seiner Jungtiere oder Missbildungen bei denselben hat, sollte seine Fütterung in Bezug auf Kalzium und Vitamin D einmal kritisch überprüfen.
Überdosierung:
Eine alleinige Überdosierung von Kalzium ist nicht möglich, da es nicht aus dem Darm aufgenommen wird. Probleme treten dann auf, wenn eine gleichzeitige Überdosierung mit Vitamin D auftritt oder Calcium gespritzt wird. Nochmals: Vorsicht mit der (ausschließlichen) Fütterung mit Hunde- oder Katzenfutter! Der hohe Proteingehalt beschleunigt das Wachstum, aber der Vitamin-D-Gehalt ist oft ebenfalls zu hoch. Dadurch nimmt der Körper zu viel Kalzium auf, was nicht so schnell an den richtigen Stellen, nämlich im Knochen(Stichwort Kalzium-Phosphor-Verhältnis), eingebaut werden kann. Gegen eine seltenere Fütterung bestehen sicher keine Bedenken, aber ein Reptil ist nun mal kein Säugetier! Die Symptome einer Kalziumsüberversorgung sind sehr variabel. Es können unspezifische Symptome wie allgemeine Schwäche, leichte Ermüdbarkeit, depressive Verstimmung, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, gesteigerter Durst, Gewichtsabnahme, Austrocknung und Müdigkeit sein. Weiteres siehe wieder bei Vitamin D.
Zusammenfassung:
Daß Kalzium zum Knochenaufbau notwendig ist, ist vielen bekannt, aber weniger, dass die Knochen lebenslang umgebaut werden. Insbesondere in der Trächtigkeit und im Wachstum wird Kalzium dringend benötigt, aber auch die Nerven- und Muskelfunktionen und die Blutgerinnung sind von einer ausreichenden Kalziumversorgung abhängig. Als einziges Futtermittel haben Mäuse einen relativ hohen Kalziumgehalt. Fisch und Muskelfleisch sollten lt. Dr. L. Ackerman mit ca.1 g Calciumcarbonat pro 100 g versetzt werden. Solange der Körper nicht zuviel Vitamin D erhält, ist eine Leichte Überdosierung unbedenklich.
Quellen: Dr. L. Ackerman Atlas der Reptilienkrankheiten
Biesalksi/ Köhrle/Schümann Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe
Burgerstein/Schurgast/Zimmermann Handbuch Nährstoffe
Mikronährstoffe vor der Trächtigkeit
Erschienen in The Garter Snake Januar 2007
Warum um Himmels Willen schreibe ich diesen Artikel jetzt, wo doch die meisten Babies bereits geboren sind? Eben drum! Die Vorbereitungen für eine Trächtigkeit beginnen Monate vor der Geburt. Zunächst einmal sollte man diese Zeit vor der Winterruhe nutzen, um die Tiere auf Parasiten zu untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln. Jeder Parasitenbefall schwächt die Tiere und verbraucht vor allem die Mikronährstoffe, die für das Immunsystem wichtig sind. Dieses sind vor allem Zink, Vitamin C, die B-Vitamine und andere(bitte merken, die kriegen wir gleich noch einmal). Zudem können viele Parasiten, insbesondere Amöben machen das ganz gern, Leber und Nieren schädigen. Auch die werden uns später wieder begegnen. Jetzt, im Spätsommer und Herbst produzieren die Männchen die Spermien und die Weibchen legen die Fettdepots an, die sie vor allem zur Produktion von Östrogenen(weiblichen Geschlechtshormonen) und der Pheromone(Geruchsbotenstoffe), die zur Paarung wichtig sind, benötigen. Diese Fettdepots spielen auch später bei der Bildung der Follikel eine wichtige Rolle. Zur “Konservierung” der Fettdepots ist Vitamin E notwendig. Vitamin E ist hauptsächlich in pflanzlichen Ölen enthalten. Also sollten hier die Futtertiere gut damit versorgt sein. In den Knochen der Weibchen bilden sich bei genügender Versorgung mit Vitamin D die Kalziumsspeicher, die später eine Skelettbildung bei den Babies ermöglichen. Schließlich müssen diese alle Nährstoffe, die sie für ihre Entwicklung benötigen, aus dem Organismus der Mutter entnehmen. Wichtige Mikronährstoffe für die Hormonproduktion beider Geschlechter sind Vitamin B6, B12 und Folsäure, sowie Zink(siehe oben…), Mangan und Vitamin C. Vitamin C ist im Gegensatz zu den anderen in tierischer Nahrung praktisch nicht vorhanden, allerdings können die meisten Tiere(außer Mensch und Meerschwein) Vitamin C selber produzieren, vorrausgesetzt, die Leber ist fit. Für die Fortpflanzung ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Hormone nötig. Wer es genauer wissen will, der lese im MUTSCHMANN „Die Strumpfbandnattern” nach. Die Ernährung beeinflusst bei den Herren die Qualität, Anzahl und Mobilität(Beweglichkeit) der Spermien. Ebenso ist es wichtig zu wissen, das sowohl Stress, als auch Infektionen(z. B. Parasiten…) sowie falsche Temperaturverhältnisse, die Spermienbildung stören. Zur Spermienproduktion benötigen die Herren vor allem Zink, Selen, Chrom, Vitamin C, hochwertiges Eiweiß(insbesondere die Aminosäure Arginin) und ungesättigte Fettsäuren. Hierbei ist besonders die Gamma-Linolensäure) zur Spermienproduktion wichtig. Vitamin C verbessert zusammen mit Vitamin E die Qualität und Beweglichkeit der Spermien, Zink ermöglicht die Bildung von Testosteron(und hat noch viele andere wichtige Funktionen im Stoffwechsel), dem wichtigsten männlichen Geschlechtshormon. Dies sorgt unter anderem für die Spermienproduktion. Ein Mangel an Selen und Chrom senkt die Anzahl der Spermien. Die in hochwertigem Eiweiß enthaltene Aminosäure Arginin erhöht die Qualität und Menge der Spermien, ebenso die vor allem Fisch vorhandene Gamma-Linolensäure. Den Sommer und den Herbst vor der geplanten Trächtigkeit sollte man also nutzen, um die Tiere möglichst optimal zu versorgen und darauf hinarbeiten, dass sie ein durchschnittliches Gewicht haben. Sowohl starkes Übergewicht, als auch Untergewicht vermindern die Fruchtbarkeit. Bei Untergewicht, d. h. bei zu wenig Fettreserven, werden weniger Östrogene und Pheromone gebildet, bei Frauen kann der Zyklus sogar ganz unterbleiben. Das Risiko von Fehlgeburten und Mißbildungen erhöht sich rapide. Übergewicht führt beim Menschen zu Unregelmäßigkeiten im Zyklus, auch hier steigt das Schwangerschaftsrisiko stark an. Beim Menschen sind Diabetes und Bluthochdruck die Hauptprobleme in der Schwangerschaft von Übergewichtigen.
Während der Winterruhe wird bei beiden Geschlechtern der Zyklus unterbrochen. Meist beginnt recht schnell nach der Winterruhe die eigentliche Paarungszeit. Nun startet die Hormonproduktion in die nächste Runde. Wie gut, wenn die Tiere nun schon über Reserven an den nötigen Nährstoffen verfügen! Die Spermien der Männchen sind über die Winterruhe ausgereift, die Weibchen bilden nun die Pheromone, die die Männchen zur Paarung verlocken. Dazu ist ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen(aus Gehirn und Nebenniere), den Fettdepots und der Leber notwendig. Bei den Weibchen beginnt das Wachstum der Follikel und damit der Eier nach der Paarung. In keinem anderen Abschnitt der Trächtigkeit entwickeln sich die Jungen schneller als jetzt. Mehr darüber im nächsten Artikel.
Mikronährstoffe in der Trächtigkeit
Erschienen in The Garter Snake Januar 2007
Grundsätzlich ist es wichtig, sich klar zu machen, dass die Trächtigkeit eine Wachstumsphase ist, und dass die Embryonen nur aus dem gebildet werden können, was ihnen das Muttertier zur Verfügung stellen kann. Dies heißt nicht unbedingt, dass das Muttertier mit viel Futter versorgt werden muss, sondern vor allem mit qualitativ möglichst hochwertigem Futter. Im Verhältnis zur Futtermenge muss es einen höheren Nährwert haben. Ein menschliches Beispiel: der Kalorienbedarf der Mutter erhöht sich um 15 bis 20 Prozent, der Bedarf an Mikronährstoffen um 50 bis 200 Prozent! Aber auch hier sollte man ein “viel hilft viel” vermeiden. Die Embryonen(vom Zeitpunkt der Empfängnis) bzw. Foeten(sobald die Organe angelegt sind bis zum Zeitpunkt der Geburt) reagieren sehr empfindlich auf Chemikalien aus der Umwelt (zum Beispiel Zigarettenrauch…), Schwermetalle (leider auch im Futter vorhanden), Medikamente und auch auf einige Vitamine. Insbesondere Vitamin A kann bei Überdosierung Missbildungen auslösen. Also eher ein Mineralpräparat mit niedrigem Vitamin-A-Gehalt wählen!
Der Zeitpunkt der Empfängnis ist oft nicht genau festzustellen, zumal unsere Strumpfbandnattern noch dazu in der Lage sind, Spermien zu speichern. Hierzu eine kleine Anekdote von meinen Tieren. Ich paarte einen melanistisches Weibchen mit einem ebenfalls melanistischen Männchen. Um sicherzugehen setzte ich etwa zwei Wochen später noch einen Sirtalis-Männchen zu ihr. Einige Monate später die Überraschung: sie bekam 27 melanistische Babies und zwei deutlich kleinere Hets. Also Jungtiere beider Väter!
Dummerweise passieren entscheidende Entwicklungsschritte der Embryonen unmittelbar nach der Empfängnis im ersten Drittel der Trächtigkeit. Gehen wir von einer Trächtigkeitsdauer von etwa 90 Tagen aus, heißt das, dass nach ca. 30 Tagen das Wichtigste bereits passiert ist!
Die befruchtete Eizelle beginnt sich schnell zu teilen. Zunächst wird das Nervensystem gebildet, wozu vor allem die B-Vitamine(insbesondere B1, B2, B12) benötigt werden, zu denen auch die Folsäure gehört. Beim Menschen ist Folsäuremangel die häufigste Ursache für Fehlgeburten. Säuglinge kommen dann mit offenem Rücken und anderen Wirbelsäulenfehlbildungen zur Welt. In dieser ersten Phase der Trächtigkeit werden die Organanlagen gebildet. Hierbei ist ausreichend Jod für die Funktion der Schilddrüse als eine wichtige Steuerungsinstanz des gesamten Stoffwechsels notwendig. Essenzielle Fettsäuren (zum Beispiel aus Fisch) werden ebenfalls zur Bildung des Nervensystems benötigt. Der Vitamin-D-Bedarf der Mutter verdoppelt sich, da unter anderem das Knochengerüst angelegt wird. Ein wichtiges Spurenelemente in dieser Entwicklungsphase ist Zink. Es ist an vielen Stoffwechselschritten als Co-Enzym, sozusagen als Assistent, beteiligt.
Das zweite Drittel der Trächtigkeit steht vor allem im Zeichen des Wachstums. Die „Grundkonstruktion” steht, nun muss man wachsen. In dieser Phase haben die Foeten und damit auch die Mutter einen erhöhten Bedarf an hochwertigem Eiweiß. Da wir unseren Schlangen keine pflanzlichen Proteine anbieten können, heißt es jetzt möglichst vielseitig und hochwertig zu füttern. An Mikronährstoffen werden jetzt für den Energiestoffwechsel vor allem mal wieder die B-Vitamine benötigt. Beim Menschen steigt jetzt der Bedarf an B1, B2, Niacin und B12 um 50% und der Bedarf an B6, Folsäure und Vitamin C um 100 %. Und wir müssen nur ein Baby ernähren!
Im letzten Drittel der Trächtigkeit tritt das Wachstum langsam in den Hintergrund, und die Foeten legen Fettdepots an für die Zeit nach der Geburt. Hierzu benötigen sie zum einen die nötigen Kalorien, zum anderen Vitamin E als ” Konservierungsmittel ” für die Fettdepots. In der gesamten Trächtigkeit benötigen Mama und Kinder Kalzium und sein „Taxi” Vitamin D zum Knochenaufbau. Der Eisenbedarf der Mutter steigt auf etwa das Doppelte, denn die Mutter muss das Blut zur Versorgung der Foeten bilden. Ein Eisenmangel führt zu einer Wachstumshemmung bei den Foeten und zu einer Anämie(Blutarmut) bei der Mutter. Magnesium ist (zusammen mit Calcium) vor allem wichtig für die Muskelfunktionen. Hier muss man zum einen daran denken dass die Foeten Muskeln aufbauen müssen, zum anderen aber auch daran, dass bei der Geburt von der Mutter eine intensive Muskelarbeit verlangt wird. Bei Magnesiumsmangel steigt das Risiko einer Fehlgeburt stark an und es kann Probleme bei der Wehentätigkeit während der Geburt geben. Ein weiteres wichtiges Spurenelement in der Trächtigkeit ist, wie schon erwähnt, Zink. Ein Mangel führt zu Missbildungen insbesondere des Nervensystems und zu einem erniedrigten Geburtsgewicht.
Zusammenfassung:
Während der Trächtigkeit muß die Mutter nicht unbedingt mit mehr, sondern vor allen mit besonders hochwertigem Futter versorgt werden, das genügend B-Vitamine und Spurenelemente enthält. Insbesondere im ersten Drittel der Trächtigkeit sollte das Futter mit einem guten Vitamin- und Mineralpulver angereichert werden. Vorsicht, eine Überdosierung von Vitamin A kann zu Missbildungen führen! Das Hauptwachstum findet im zweiten Drittel der Trächtigkeit statt, vor der Geburt legen die Foeten Fettreserven an für die Zeit nach der Geburt. Die wichtigsten Mikronährstoffe während der Trächtigkeit sind die B-Vitamine, Calcium, Vitamin D, Magnesium, Eisen, Zink und Jod.
Temperaturen in der Trächtigkeit
Steven Bol berichtete in der TGS Oktober 2007 von seiner Beobachtung bei Thamnophis artratus artratus, dass hohe Temperaturen während der Trächtigkeit zu vermehrten Missbildungen und Totgeburten führten. Das erinnerte mich an eine eigene Beobachtung. Meine ersten Schlangen waren 1,2 Thamnophis sirtalis melanistisch. Ich bot ihnen als zusätzliche Wärmequelle zu einem Strahler einen dieser elektrischen Heizsteine an. Dieser war in der Trächtigkeit sehr beliebt, die Tiere lagen viel darauf. Nach der Geburt war die Enttäuschung groß: nur Wachseier. Nun sind die Melanisten in der Vermehrung auch nicht so einfach, das wußte ich inzwischen. Also nächstes Jahr neuer Versuch, mit optimierter Ernährung und einigen homöopathischen Tricks. Da ich die Weibchen mit verschiedenen Männchen verpaaren wollte, brachte ich sie in 2 getrennten Becken unter. Der Heizstein war schlecht zu teilen, also erhielt ein Tier den Heizstein, das andere musste ohne auskommen. Nach der Geburt: Das Weibchen mit Heizstein hatte nur Wachseier, die andere etwa 30 lebende Junge. Irgendwie machte mich das stutzig. Also flog der Heizstein raus, nächstes Jahr neuer Versuch. Ergebnis: Beide Weibchen bekamen lebendige Junge!
Einiges zur Ernährung von Mutter und Kind
Erschienen in The Garter Snake Juli 2007
Wenngleich es in diesem Artikel vor allem um die Ernährung der Babies gehen wird, so sollten wir doch als erstes an das Muttertier denken! Auch wenn es keinen Rekordwurf sondern nur durchschnittlich 20 Jungtiere zur Welt gebracht hat, so war die Trächtigkeit und Geburt doch eine anstrengende Zeit. Und wir sollten uns klar machen, dass nach einer Trächtigkeit ebenso vor der nächsten Trächtigkeit bedeutet! Damit sich das Muttertier nach der Geburt erst etwas erholen kann, biete ich meinen Weibchen erst am Tag nach der Geburt eine großzügige Futterportion an, die bisher immer gierig verspeist wurde. Je nach Gewicht des Weibchens füttere ich bis etwa zwei Wochen nach der Geburt zweimal wöchentlich wie in der Trächtigkeit, danach schraube ich auf ein Mal wöchentlich zurück. Des weiteren verweise ich auf dem Artikel in der TGS Januar 2007 “Mikronährstoffe vor der Trächtigkeit”.
Kommen wir nun zu den Babies. Sie haben von der Mutter einen kleinen Nährstoffvorrat mitbekommen, der ihnen in der Natur das Überleben erleichtert. Schließlich muss man jetzt selber sehen, wo man eine Mahlzeit findet. Außerdem muss oft das Verdauungssystem noch ausreifen, und sich von Nabelschnurversorgung auf „selber arbeiten” umstellen. Deshalb ist es durchaus normal, dass die Jungtiere nicht sofort nach der Geburt zu fressen beginnen. Ich fange trotzdem schon am 2.Tag nach der Geburt an, den Tieren alle zwei Tage Futter anzubieten. Sobald sie das Futter annehmen, füttere ich nur noch zweimal pro Woche, dann allerdings „so viel wie reingeht”. Mit welchem Futter man die Jungtiere am besten ans Fressen bekommt, da hat jeder Züchter seine „Tricks”. Bei meinem melanistischen Tieren machte ich gute Erfahrungen mit lebenden Regenwürmen als erstes Futter, allerdings muss man dabei scharf aufpassen, dass sich die Tierchen nicht gegenseitig fressen. Denn der Wurm, den das Geschwisterchen gepackt hat, der schmeckt natürlich am besten! Praktisch gleichzeitig biete ich ihnen schon im kleinen Portionen mein normales Maus-Stint-Gemisch in babygerechter Größe, d. h. kleiner als der Babykopf, an, das oft schon nach einer Woche ebenfalls gefressen wird. Auch meine diesjährigen Concinnus-Babies nahmen dieses sofort an. Einige schwören auf Stint oder Maus pur, andere haben spezielle Babynahrungen. Hier hilft nur probieren. Bei Tieren, die nicht selbstständig ans Futter gehen, machte ich keine Zwangsfütterung. Wer nicht frisst, stirbt dann eben irgendwann. Genau so ist es in der Natur auch.
In der ersten Zeit nach der Geburt wächst das Jungtier so schnell wie später nie wieder. Der Nährstoffbedarf im Verhältnis zum Körpergewicht ist zu keiner anderen Zeit nach der Geburt höher, weshalb eine optimale Ernährung verständlicherweise einen großen Einfluss auf das Wachstum und die Entwicklung hat. Mängel, die in dieser Zeit auftreten, sind meist nicht mehr wieder gutzumachen. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Jungtiere nicht zu schnell wachsen, sonst besteht die Gefahr, dass insbesondere die Ausscheidungsorgane Leber und Niere die Entgiftung des Körpers nicht mehr schaffen und oft gerade die größten und schwersten Tiere plötzlich sterben. Deshalb füttere ich meine Babies im ersten Lebensjahr nur zweimal pro Woche.
Im Verhältnis zum Körpergewicht ist die aufgenommene Futtermenge zwar riesig(wer von uns isst schon bis 50 Prozent seines Körpergewichtes auf einmal…), aber insgesamt ist so ein Babymagen doch recht klein. Um so wichtiger ist es, darauf zu achten, dass diese kleine Futtermenge besonders hochwertiges Futter ist! Nur dann enthält es auch die essenziellen Fettsäuren und Aminosäuren. Essenziell bedeutet, dass sie für den Körper lebensnotwendig sind, aber nicht selber hergestellt werden können. Das soll uns dazu genügen. Aminosäuren sind die Grundbausteine der Eiweiße (= Proteine). Eiweiß wiederum ist der wichtigste „Baustoff” des Körpers. Da wir unsere Tiere mit dem Fleisch anderer Tiere füttern, brauchen wir uns über die Versorgung mit essenziellen Aminosäuren keine allzu großen Gedanken zu machen, vorausgesetzt, wir füttern möglichst vielseitig. Auch einen Futtertier überlebt einen Mangel an essenziellen Aminosäuren nicht und gelangt somit (hoffentlich…) nicht ins Schlangenfutter. Die essenziellen (ungesättigten) Fettsäuren kommen, wie der Name schon sagt, im Fett vor. Fisch guter Qualität enthält meist genügend für unsere Schlangen, allerdings sei hier noch mal auf die Wichtigkeit der Vitamin E-Versorgung hingewiesen. Ohne Vitamin E kann der Körper die ungesättigten Fettsäuren nicht verarbeiten. Andersrum sind schon Reptilien an Vitamin-E-Mangel gestorben, weil ihr Futter zu viel ungesättigte Fettsäuren enthielt! Dies gilt auch für Futtermäuse! Essenzielle Fettsäuren haben zwei wichtige Funktionen im Körper. Sie sind Bestandteile der Zellmembran, d. h. der dünnen Haut, die jede einzelne Körperzelle umschließt. Da während des Wachstum ständig neue Körperzellen gebildet werden müssen, leuchtet es ein, dass auch der Bedarf an essenziellen Fettsäuren im Wachstum besonders hoch ist. Zum Zweiten werden aus den essenziellen Fettsäuren hormonähnliche Substanzen(wer’s genau wissen will, die heißen Eicosanoide) gebildet, die für viele Stoffwechselprozesse notwendig sind. Ein Mangel an ungesättigten Fettsäuren führt zu einem geschwächten Immunsystem, verringert die Leber- und Nierenfunktion, stört die Funktionen der Blutkörperchen und vermindert das Wachstum. Ebenso führt er bei Männern und Frauen zur Unfruchtbarkeit.
Kommen wir nun zu den wichtigsten Mikronährstoffe. Vitamin D und Kalzium hatten wir schon einmal(TGS 03/06 und 04/06), sie sind hauptsächlich (aber beileibe nicht nur!) für das Knochenwachstum wichtig. Noch einmal sei an dieser Stelle vor einer Überdosierung von Vitamin D gewarnt! Bitte immer die Zusammensetzungsliste des Multivitaminpräparates genau lesen oder UV-Bestrahlung nutzen! Vitamin E wurde oben schon erwähnt. Während der Wachstumszeit leistet der Energiestoffwechsel des Körpers Schwerstarbeit. Dazu braucht er vor allem die B-Vitamine: Vitamin B 1(Thiamin; vgl TGS 02/06), B 2(Riboflavin), B 3(Niacin), B 6, Folsäure, B12(Cyanocobalamin), Panthothensäure und Biotin.
Logischerweise braucht ein wachsender Körper auch immer mehr Blut. Zur Blutbildung besonders wichtig sind Vitamin K, Eisen, Vitamin B12 und Vitamin C. Gerade in der Babyzeit sind die Tiere besonders anfällig für Infektionen. Eine wichtige Maßnahme ist eine möglichst hygienische und auch ansonsten optimale Haltung, eine andere die Versorgung mit insbesondere Vitamin A, C, E, D sowie und Zink, Selen und anderen Spurenelementen.
Quellen:
Burgerstein/Schurgast/Zimmermann: Handbuch Nährstoffe
Biesalski/Köhrle/Schümann: Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe
Hallmen/Chlebowy: Strumpfbandnattern
Mutschmann: Die Strumpfbandnattern
Einige homöopathische Tipps rund um die Geburt
Erschienen in The Garter Snake April 2007
Auch wenn man es schon einige oder viele Male erlebt hat, so ist doch eine Geburt immer ein besonders spannendes und faszinierendes Erlebnis, nicht nur bei unseren Schlangen. Anders als in der Literatur beschrieben, fanden die Geburten bei mir bisher immer mittags um ca. 14:00 und einmal etwas früher statt. Grundsätzlich betreue ich meine Mütter genau so wie von Martin Hallmen beschrieben, ich habe das Verfahren allerdings um einige eigene Erfahrungen und homöopathische Mittel ergänzt. Der Übersichtlichkeit halber beschreibe ich hier mein komplettes Vorgehen.
- Vorbereitungszeit:
Zunächst einmal beschäftigt einen ja immer folgende Frage: Ist sie denn nun trächtig, oder nicht? Ja, wenn man das so sicher beantworten könnte! Den ersten Hinweis gibt einem eine erfolgte Paarung, sofern man sie beobachten konnte, oder kleine „Blutströpfchen” im Terrarium. Wenn Madam dann plötzlich frisst wie ein Scheunendrescher, manche machen auch vor der menschlichen Hand nicht halt, verdichtet sich der Verdacht. Außerdem leben sie oft versteckter als vorher und sonnen sich mehr. Frisst ein trächtiges Weibchen schlecht, kann man versuchen, es mit einer Gabe von Sepia C 30 zum Beispiel ins Wasserbecken umzustimmen(weitere Erläuterungen später). Ich machte auch mit manchen meiner Weibchen die Erfahrung, dass sich normalerweise friedliche Tiere während der Trächtigkeit zur „Rühr mich nicht an”- Mimose wandelten. Die Abwehrbisse waren zwar meist danebengezielt, aber sie wünschten ein besonders langsames, rücksichtsvolles Hantieren im Terrarium. Wird dann das betreffende Weibchen vor allem im hinteren Drittel und an der Bauchunterseite immer praller, so ist es ziemlich sicher, dass „was drin” ist. Erfahrene Züchter können auch ganz vorsichtig ertasten, ob es sich um härtere Wachseier oder „glitschige” Babies handelt. Eines meiner melanistischen Weibchen fühlte sich allerdings weich und glitschig an (wie ein mit Wasser gefüllter Luftballon), brachte allerdings nur ein mehr oder weniger flüssiges Wachsei-befruchtete-Eier-Gemisch zur Welt.
Spätestens jetzt ist es an der Zeit, Vorbereitungen zur Geburt zutreffen. Eine der Wichtigsten ist das Absichern des Terrariums des Weibchens. Falls man die Möglichkeit hat, finde ich es sinnvoll, trächtige Weibchen einzeln zu halten, um die Gefahr, dass die Babies gefressen werden, zu minimieren. Ich selber verklebe die Zwischenräume zwischen den Schiebescheiben und zur Sicherheit auch die Türspalten mit Kreppklebeband. Es klebt fest genug und ist trotzdem leicht abzuziehen ohne lästige Kleberückstände zu hinterlassen. Das Geburtsterrarium richte ich möglichst übersichtlich ein. Ich habe in allen Terrarien Küchenpapier als Bodengrund, dazu zwei genügend große Unterschlupfschalen aus Ton(Für eines meiner trächtigen Weibchen musste ich letztes Jahr während der Trächtigkeit neue kaufen, sie passte in die Normalen nicht mehr rein… Das Ergebnis waren 52 Jungtiere!) Eine steht unter der Lampe (40 bis 60 W-Strahler je nach Terrariumhöhe), eine weitere im kühleren Bereich des Terrariums. Flach gedrückte Pappröhren bieten Verstecke für die Babies, wenn ich nicht dabei sein kann. Im genügend großen Badebecken badet die werdende Mama manchmal oder auch oft gern. Normalerweise habe ich in jedem Terrarium noch eine nasse Box, eine mit feuchten Küchenpapier ausgelegte Plastikbox mit Einschlupfloch. Die entferne ich allerdings vor der Geburt, weil ich Sorge habe, Mama könnte während der Wehen da drinnen die schon geborenen Babies zerquetschen. Wenn ich einigermaßen sicher bin, dass das Ende der Trächtigkeit naht, gebe ich das Mittel Caulophyllum C 30 über die letzten Futterportionen des Weibchens und in das Wasserbecken. Eine Hebamme aus meinem Bekanntenkreis nennt sie „Flutschtropfen”…
Meine Weibchen fraßen bislang immer bis ca. zwei bis vier Wochen vor der Geburt. Allerdings gibt einem auch das nur einen groben Hinweis auf das große Ereignis. Mein eines Weibchen ist mit ziemlich genau 14 Tagen sehr zuverlässig, Weibchen Nr. 2 hat letztes Mal vier Wochen vor der Geburt zu fressen aufgehört, Weibchen Nr. 3 ebenfalls etwa zwei Wochen. Manche fressen bis zum Schluss.
Homöopathische Mittel für unsere Schlangen besorgt man sich am besten in der Darreichungsform Globuli. Das sind kleine Zuckerkügelchen. Alkoholische Tropfen fressen Schlangen nicht freiwillig, ein nützlicher Tipp, wenn eine Schlange sich in die Hand oder was auch immer verbissen hat! Die Tiere müssen die Globuli nicht unbedingt fressen, man kann sie auch in Wasser auflösen und auf die Haut tropfen oder sprühen. Caulophyllum C 30 und Cimicifuga C 30 sind die wichtigsten Mittel, die ich für das Weibchen zur Geburt bereitliegen habe. Streng homöopathisch gesehen haben beide Mittel etwas unterschiedliche Einsatzbereiche, aber genauere Erläuterungen hierzu spare ich mir an dieser Stelle. Beide Mittel stehen bei mir in der Geburtenzeit in kleinen Sprühflaschen griffbereit, ebenso wie eine Rolle Küchenpapier. Für die erwarteten Babies bereite ich folgendes vor: ich desinfiziere zwei Falltürbecken von 40 cm x 30 cm x 30 cm sorgfältig, Faunaboxen sind mir nicht ausbruchsicher genug. Ich lege sie schon mit Küchenpapier aus und stelle eine Sprühflasche zum einen Anfeuchten bereit. Damit die Jungtiere sich von der Geburt möglichst schnell erholen, gebe ich 10 bis 20 Globuli Arnica C 30 mit in das Becken. Beim Anfeuchten lösen sie sich auf und wirken über die Haut der Babies. Für gesunde und kräftige Babies ist das völlig ausreichend. Arnica wirkt wundheilend auf den Nabel und eventuelle Quetschungen bei der Geburt. Für den Fall des Falles ist noch das Mittel Carbo vegetabilis C 30 und die Bachblüten Rescue-Tropfen nützlich. Neugeborene, die leblos wirken, aber nur unter Schock stehen, erholen sich innerhalb von Sekunden! Verabreicht werden beide über die Haut wie oben beschrieben. Bachblüten gibt es nur in Form einer alkoholischen Lösung. Am besten verdünnt man sie zwei Tropfen auf zehn Milliliter Wasser. Auch diese Mischung steht bei mir in einer Sprühflasche immer bereit. Pur vertragen Schlangen sie durch den Alkoholgehalt schlecht! Nun ist alles vorbereitet für
2. die Geburt
Das Weibchen frisst nicht mehr, wärmt sich viel, laut Literatur häuten sich viele noch einmal und dann, endlich(und immer viel später als man dachte…), geht es los. Das bisher eher träge Weibchen beginnt unruhig durchs Terrarium zu kriechen, die Wehen kann man als peristaltische Wellen oder, simpler ausgedrückt, als Einschnürungen, die von vorne nach hinten über den Körper laufen, sehen. Kriege ich diese Phase mit, sprühe ich das Weibchen mit Caulophyllum C 30 ein. Aber sie schaffen es auch alleine. Sind die ersten Babies erst einmal da, geht die Geburt oft sehr zügig voran. Ich konnte beobachten, dass die Weibchen sehr viel mehr Mühe damit haben, Wachseier auszupressen, als Jungtiere. Wirkt das Weibchen schwach und erschöpft, wiederhole ich die Gabe von Caulophyllum C 30; ist sie sehr unruhig ist eher Cimicifuga C 30 angesagt. Ist man sich nicht sicher, gibt man ohne Nebenwirkungen beides.
Es ist durchaus normal, gerade bei großen Würfen, dass während der Geburt Pausen auftreten. Mama muss erst einmal wieder Kräfte sammeln. Dauert die Pause länger als etwa zehn Minuten, bade ich das Weibchen in einem lauwarmen Bad mit Caulophyllum, Cimicifuga und Sabina C 30, ebenso, wenn ich denke, dass die Geburt beendet ist. Oft ist sie das dann aber noch nicht! Also dabei bleiben, sonst können die Babies ertrinken! Apropos Babies. Sobald die Geburt beginnt, feuchte ich das Küchenpapier in einem der zwei vorbereiteten Baby-Becken an und nehme die Babies, sobald sie geboren sind, aus dem Geburtsbecken, zerreiße vorsichtig die Eihaut und setzte sie dann in das Baby-Becken um. Die meisten sind sofort munter unterwegs. Babies, die schwach oder leblos wirken, halte ich mit dem Köpfchen nach unten und sprühe sie mit Carbo vegetabilis C 30 und Rescue-Tropfen ein. Hilft das nicht innerhalb maximal 30 bis 60 Sekunden, bleiben als letzte Hoffnung noch die Mittel Arsenicum album C 30 und Belladonna C 30. Das Jungtiere mit etwas Wasser ansprühen und die Globuli beide gleichzeitig dazugeben. Zeigt das Jungtiere auch nach einigen Minuten dann keine Lebensregungen mehr, so muss man es leider unter der Rubrik „Totgeburten” verbuchen.
3. Nach der Geburt:
Die Babies häuten sich meist unmittelbar nach der Geburt, allerdings kann man das nicht immer sehen! Ist die Geburt nach ein bis mehreren Stunden je nach Babyzahl beendet, ist dieses ersten Babybecken voll Schleim und Blut. Und den oft fast unsichtbaren Häuten. Nun feuchte ich das Papier im zweiten Babybecken an und setzte die Kleinen ins saubere Becken um. Nun ist auch die Zeit für die erste Zählung und auch evtl. schon für das Poppen. Als Verstecke für die Babies nehme ich flach gedrückte Klopapierrollen, als „Wasserbecken” den flachen Decke eines Weckglases. Als Beleuchtung und Heizung verwende ich einen 40 W-Strahler, der über einer Seite des Beckens hängt. Oft ist es nützlich, ein Thermometer mit ins Becken zu legen. Es sind schon viel mehr Tiere an Überhitzung gestorben als an Verkühlung!
Nun ist es Zeit, wieder an unsere Mutter zu denken. Egal ob sie lebende Jungtiere und/oder Wachseier geboren hat, sie und das Becken sind schleimig und mehr oder weniger verklebt. Das Weibchen bekommt nun das oben beschriebene warme Caulophyllum-Cimicifuga-und Sabina-Bad, dadurch erholt sie sich von der Geburt schneller und eventuelle Blutungen werden gestillt. Währenddessen wasche ich das Geburtsbecken und alle Einrichtungsgegenstände gründlich ab. Wie oben erwähnt kann es durchaus sein, dass man nach der Reinigungsaktion noch einen oder mehrere quietschfidele Babies im Badewasser vorfindet! Beim Zurücksetzen in das Terrarium taste ich vorsichtig die Bauchunterseite des Weibchens ab. „Buckel” zeigen an, dass noch etwas kommt, oder zumindest kommen sollte. Ich selber lasse die Finger vom Ausmassieren von Wachseiern oder Jungtieren. Sollte ich in die Lage kommen, dass eine Geburt so stecken bleibt, bleibt nur, neben Wärme, Caulophyllum und Cimicifuga schnellstmöglich den nächsten hoffentlich einigermaßen reptilienkundigen Tierarzt aufzusuchen und zu versuchen, dass Tier durch einen Kaiserschnitt zu retten. Für den Rest des Tages lasse ich Mutter und Kinder möglichst in Ruhe und freue (bei Babies) und trauere (bei Wachseiern) nur aus der Entfernung. Am nächsten Tag biete ich den Weibchen Futter an, was bisher immer sehr schwierig angenommen wurde. Damit das Weibchen sich besser erholt, gebe ich in diese 1. Futterportion einige Globuli Sabina C 30 und Secale cornutum C 30. Bei einer schweren Geburt kann man noch Arnica C 30 zusetzen, um die Heilung von eventuellen Quetschungen zu fördern. Ein Weibchen was nicht frisst oder sich ungewöhnlich verhält, wäre für mich Anlass zum Tierarzt zufahren! Bis etwa zwei Wochen nach der Geburt füttere ich das Weibchen noch zweimal wöchentlich, danach kehre ich zum einmal wöchentlichen Rhythmus zurück. Nun wird sie auch wieder in ihr normales Gemeinschaftsbecken gesetzt.
Zurück zu den Babies. Ich musste leider die Erfahrung machen, dass offensichtlich viele Babies nicht in der Lage sind, aus einem Wasserschüsselchen zu trinken(Wie denn auch? In der Natur gibt es keine Wasserschüsseln!). Deshalb besprühe ich mindestens in den ersten zwei bis drei Wochen jeden Morgen das Babybecken und sehr oft schlecken die Babies die Wassertropfen von den Wänden ab. Am ersten Tag nach der Geburt gebe ich etwa fünf bis 10 Globuli Calzium carbonicum C 30 in dieses Sprühwasser, es unterstützt das Wachstum der Babies und regt den Appetit an. Sind die Babies eher von der hektischen und schreckhaften Sorte, ist eher Calzium phosphoridum C 30 angesagt. Allerdings ist mit diesem Mittel Vorsicht geboten! Ich gebe es bei normal gesunden Babies nur einmal, denn bei meinem ersten Wurf wuchsen die Babies zwar sehr schön, aber einige entwickelten bei wiederholter Gabe über das Futter eine unschöne Wirbelsäulenverkrümmung, die auch in den Wirkungsbereich dieses Mittels gehört. Diese Verkrümmung verschwand zwar innerhalb des ersten halben Jahres wieder, bereitete mir aber einiges Kopfzerbrechen. Sind die Babies extrem klein oder entwickeln sich sonst schlecht, kann man die Gabe dieser Mittel allerdings wiederholen.
Am zweiten Tag nach der Geburt biete ich den Babies erstmals Futter an. Ganz, ganz klein geschnittenes Maus-Stint-Gemisch und kleine, lebendige Regenwürmer. Die Futterstückchen sollten möglichst kleiner als der Kopf der Babies sein, damit sie es gut schlucken können. Es ist allerdings immer wieder erstaunlich, wie viel lebendiger Regenwurm in so ein Schlangenbaby reinpasst! Dieses Futter biete ich alle zwei Tage an. Tierchen, die gefressen haben und eine deutliche Fressebeule zeigen, setzte ich in ein anderes Becken um. Von den Tieren, die zuerst ans Futter gehen, behalte ich ggf. einige Tiere zur Weiterzucht. In diesem Becken füttere ich nur noch zweimal wöchentlich so viel die Babies wollen und stelle sie auf mein normales Maus-Stint-Gemisch um. Sobald sie sichtlich wachsen und sich mindestens ein Mal gehäutet haben, biete ich sie zum Verkauf an. Den „Nichtfressern” biete ich weiterhin alle zwei Tage Futter an, allerdings nun abwechselnd Regenwürmer, Stint und Maus, damit für jeden Geschmack etwas dabei ist. Die meisten Tiere beginnen nach spätestens vier Wochen mit dem Fressen. Denen, die nicht von allein fressen, gebe ich noch eine Chance mit einer zweiten Gabe von Calzium phosphoricum C 30. Aber die Meisten fressen schon nach zwei Wochen von allein. Selbst bei dem oben erwähnten Rekordwurf waren es nur zwei Tiere, die so starben. Aber diese Entscheidung bleibt jedem selber überlassen. Eine komplette Futterverweigerung eines ganzen Wurfes hatte ich noch nie. Martin Hallmen empfiehlt dann als letzten Versuch eine Kurzwinterruhe, da auch in der Natur nicht alle Jungtiere vor der Winterruhe Nahrung finden. Apropos Winterruhe. Jungtiere meiner eigenen Würfe überwintere ich ebenso wie die erwachsenen Tiere, allerdings nur etwa sechs Wochen. Nur zugekaufte Tiere füttere ich aus finanziellen Gründen während des ersten Winters durch. Ich hatte bei dieser ersten Winterruhe noch nie Verluste, und sollte es doch vorkommen, liefe auch das bei mir unter „natürlicher Auslese”. Lieber ein schwaches Tier verlieren, als damit weiterzüchten!
Zusammenfassung:
Zur Unterstützung bei der Geburt eignen sich für das Weibchen besonders die Mittel Caulophyllum C 30 und Cimicifuga C 30. Zur Verabreichung löst man am besten einige Globuli in Wasser auf und sprüht das Weibchen damit ein. Wenn man das Weibchen nach der Geburt in einem Bad mit dem oben erwähnten Mitteln plus Sabina C 30 badet, erholt es sich besser von der Geburt. Damit auch die Jungtiere die Geburt gut verkraften, kann man in das Becken die Mittel Arnica C 30 und Calcium phosphoricum C 30 geben.
Quellen:
Richard Moskowitz, Homöopathie für Schwangerschaft und Geburtshilfe
Frank Mutschmann, Die Strumpfbandnattern
Martin Hallmen/Jürgen Chlebowy , Strumpfbandnattern
Martin Hallmen, Anmerkungen zur Geburt bei Strumpfbandnattern, TGS 01/2003
Zur Giftigkeit von Strumpfbandnatternbissen
Nachdem in letzter Zeit so viele Berichte über Bisse veröffentlicht wurden, möchte ich gerne ebenfalls von meinen Erfahrungen berichten. Das manche Weibchen während der Trächtigkeit schon mal beißen, sei es aus Hunger, sei es als Abwehrbiß, daran habe ich mich schon längst gewöhnt. Ist eben so.
Letztens zeigt eines meiner Flame-Weibchen ein etwas skurriles Häutungsproblem. Die Rückenhaut löste sich ganz normal ab, aber die Bauchhaut hing fest. Sehr fest. Baden brachte nichts, das tat sie auch selber schon ausgiebig, also bleib für mich nur: abpuhlen. Die Idee fand ich gut, sie weniger. Kaum fing ich an, antwortete sie mit ersten Abwehrbissen. Da ich leider auf keine helfende Hand zurückgreifen kann, hieß es aushalten und weitermachen. Fast jede Bauchschuppe musste ich einzeln vorsichtig abziehen. Und Madam wurde ziemlich wütend, die Abwehrbisse wandelten sich zu echten Bissen, sie wollte auch nicht mehr loslassen. Ich stellte fest, dass ich dadurch endlich die Häutungsreste am Unterkiefer in Ruhe entfernen konnte, bei der wild um sich beißenden Schlange war das schließlich schwierig gewesen. Das Ende von Lied: Eine weitgehend „enthäutete“ Schlange und völlig zerbissene Hände. Ich weiß nicht, wie oft sie mich gebissen hat, es war auch nicht mehr zu zählen. Ich wusch das Blut ab und desinfizierte wie alle Wunden die Hände mit Kodan-Spray, einem alkoholischen Hautdesinfektionsmittel. Es brennt fürchterlich, aber naja. Und weiter? Nichts weiter! Die Wunden heilten problemlos, keine Reaktionen. Abgesehen davon, dass mein Chef mich erstaunt fragte, was ich mit meinen Händen gemacht hätte.
Ich finde es wichtig, deutlicher darauf hinzuweisen, dass in den meisten Fällen bei Strumpfbandnatternbissen nichts passiert!
Behandlung einer ” Beule ” mit Traumeel
Erschienen in The Garter Snake Oktober 2004
Ich entdeckte sie natürlich im unpassensten Moment. An einem Sonntag, bevor ich zu einer einwöchigen Fortbildung aufbrechen musste, bemerkte ich bei meinem adulten Weibchen von Thamnophis sirtalis melanistisch links neben ihrer Kloake eine erbsengroße ” Beule “. Ich hatte Daniel Grübners Bericht( The Garter Snake April 2004) über Abszesse gelesen und bekam verständlicherweise einen Riesenschreck. Was nun? Heute war Sonntag, ich hatte 400 Kilometer Fahrt zu meinem Seminar vor mir und der nächste reptilienkundigen Tierarzt wohnte zwei Autostunden in die andere Richtung. Eines wusste ich: die Beule war ganz akut, denn ich nehme alle meine Tiere zweimal pro Woche (einmal zu füttern, einmal zum Säubern des Terrariums) einzeln aus ihren Becken. Erstmal füttern. Das Tier fraß gut und benahm sich auch sonst normal. Also desinfizierte ich ein Quarantäneterrarium(mit Desamed), dann die Schlange mit Sterillium, was ich sonst für meine Hände verwende (gefiel ihr gar nicht, vielleicht brennt es?) und gab abgekochtes Wasser in ihr Wasserbecken. Neben meiner Arbeit in einer Apotheke mache ich seit 2002 eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin, aber bisher war ich nie auf die Idee gekommen, mein Wissen auch bei Reptilien anzuwenden. Gerade um homöopathische Mittel richtig einzusetzen, braucht man Informationen über das Tier (ist die Beule heiß, rot, mehr oder weniger schmerzhaft, wie fühlt sich das Tier, trinkt es mehr oder weniger als sonst…), die schon bei Hund, Katze oder Pferd vom Besitzer oft nicht zu bekommen sind. Wer hat schon die Zeit, seine Tiere so intensiv zu beobachten?
Was macht ein Homöopath, der sich nicht zu helfen weiß? Er nimmt ein Komplex-Mittel. Mir fiel das Traumeel der Firma Heel ein, eines der wenigen homöopathischen Mittel, das fast jeder kennt. Es wird, wie der Name schon andeutet, bei Verletzungen und Entzündungen aller Art eingesetzt und hat bei unseren Zwei-und Vierbeinern vielfältiger Art seine Wirksamkeit schon oft unter Beweis gestellt. Wohlgemerkt: Nur, weil ich keinen spezialisierten Tierarzt aufsuchen konnte, begann ich mit der Behandlung mit Traumeel. Unter normalen Umständen hätte ich mit dem Tier in jedem Fall einen Tierarzt aufgesucht. Ich gab die Traumeel-Tropfen in ihr Wasserbecken, tropfte ihr mehrmals täglich einige Tropfen auf ihren Körper und besonders natürlich auf die Beule. Zusätzlich desinfizierte ich alle zwei Tage Terrarium, Schlange und Beule und nutzte das schöne Wetter, um mit der Schlange auf dem Arm täglich für einige Zeit in die Sonne zugehen. Schon nach wenigen Tagen begann die Beule zu schrumpfen. Als ich nach der Seminarwoche wieder zu Hause eintraf, hatte sie gerade noch ein Viertel der ursprünglichen Größe. Die Schlange war hungrig wie eh und je, also verschob ich den Tierarztbesuch und gab der Schlange Mercurius-Heel. Ich löste die Tabletten in Wasser und im Badebecken und verfuhr wie vorher mit dem Traumeel. Eine weitere Woche später war die Beule verschwunden und das ist bis jetzt so geblieben. Jedes Mal, wenn ich das Tier in der Hand halte, überprüfe ich die Stelle. Leider weiß sich im Nachhinein nicht, was die Ursache für diese Beule war. Vielleicht weiß es einer von euch.
Noch einmal: hätte ich die Möglichkeit gehabt, hätte ich sofort einen Tierarzt aufgesucht, und hätte die Beule nicht so schnell reagiert, ebenso. Aber so konnte ich die Entdeckung machen, dass wir vielleicht auch bei Reptillien alternative Behandlungsmethoden einbeziehen sollten.
Eine Futterergänzung: Nacktschnecken
Erschienen in The Garter Snake Januar 2005
Der Auslöser für diese Idee war eigentlich die alljährliche Nacktschneckeninvasion in unserem Garten. Ich erinnerte mich daran, in einschlägiger Literatur gelesen zu haben, das Strumpfbandnattern auch Schnecken fressen. Da ich immer bemüht bin, meine Schlangen abwechslungsreich zu füttern, dachte ich mir: ” Versuch macht klug “.
Aus mehreren Gründen wollte ich die Schnecken vorher abtöten: Erstens mag ich keine lebenden Tiere verfüttern. Zweitens sondern die Schnecken einen zähen Schleim ab, wenn sie sich bedroht fühlen (kleiner Tipp: Beim Sammeln der Schnecken Handschuhe tragen, da der Schneckenschleim schwer abzuwaschen ist!), was den Schlangen wohl nicht geschmeckt hätte. Drittens könnten sie Parasitenträger sein. Viertens waren in unserem Garten solche Mengen zu finden, dass ich mich bevorraten wollte. Ich sammelte also zunächst einige Schnecken verschiedener Größe, setzte sie auf Alufolie und schob selbige in die Tiefkühltruhe. So bekam ich einzeln eingefrorene Schnecken. Bei der nächsten Fütterung taute ich sie zusammen mit einigen Stinten in einem Glas auf und setzte sie meine Schlangen vor. Thamnophis sirtalis tetrataenia lehnte höflich ab. ” Nein, also so etwas bitte nicht! “. Auch nach mehreren Versuchen nahmen sie keine Schnecken an. Die melanistischen Weibchen waren hingegen begeistert. Mir ist bewusst, dass sie gemeinhin als Müllschlucker bekannt sind, sie fressen die Nacktschnecken jedoch noch vor ihren heiß geliebten Mäusebabies und erst danach wird dann der Stint gefressen. Das melanistische Männchen fraß (und frißt) keine Nacktschnecken, aber damit hatte ich schon gerechnet. Der Herr frisst nämlich nur Mäusebabies und wehe diese riechen auch nur ein wenig nach Fisch. Dann verzichtet er sofort.
Bisher gefielen meiner Mutter die Tetrataenias (semiadult) viel besser als die adulten melanistischen Tiere, denn ” Die sind ja viel kleiner! “. Aber seitdem ihr die Großen bei der Bewältigung der Schneckenplage helfen, findet sie diese sehr viel sympathischer und duldet auch gefrorene Schnecken in ihrer Tiefkühltruhe. Vielleicht auch ein Tipp bei Beziehungsproblemen … Es könnte allerdings auch sein dass es ihr schlicht gefällt, dass ihre Tochter freiwillig im Garten die Schnecken einsammelt, was wiederum auch unsere Weinbergschnecken vor Schneckenkorn schützt.
Leider hat die Verfütterung von Nacktschnecken einen Nachteil, den Martin Hallmen auch von Regenwürmern beschreibt: der Kot wird sehr flüssig und geruchsintensiv. Da ich meine Tiere auf Küchenpapier halte, ist das nicht so das Problem, aber die beiden Mädels bekommen trotzdem höchstens eine Nacktschnecke zu ihrem normalen Menü aus Maus und Stint.
Als ich mit Reinhard Münzer über meine Beobachtungen sprach, erzählte er mir, dass er seine Wasserschildkröten hin und wieder mit Nacktschnecken füttert, dafür die Schnecken aber am Bauch aufritzt um den Darminhalt zu entfernen, so das die Schnecken erheblich dünner und damit leichter zu fressen sind. Ich habe mich dagegen entschieden, da ich von Hunden weiß, dass gerade der Darminhalt ihrer Beutetiere viele wichtige Spurenelemente und Ballaststoffe enthält. Außerdem würde in Freiheit auch niemand einer Schlangen ihr Fressen zubereiten.
Nacktschnecken können nach meiner Erfahrung nur eine Ergänzung zum Speiseplan sein. Dafür kosten sie nichts außer ein bisschen Zeit und sind somit einen Versuch wert.
Einige ganz persönliche Bemerkungen zu Thamnophis sirtalis similis
Mir ging es so wie vielen anderen. Ich sah sie zum ersten Mal in dem Buch von W. P. Mara über Strumpfbandnattern. Leuchtendblau auf Laubbraun. Was für ein schönes Tier!
Damals waren die EGSA noch nicht existent, mir das Internet unbekannt, so wurde die Frage nach ” Wo gibt es so was? ” nur mit einem Achselzucken beantwortet. Das ist eine Farbform Florida-Blue gibt, war mir damals auch unbekannt. In Hamm sah ich einmal ein Tier, was als Similis angeboten wurde, aber es hatte so wenig Ähnlichkeit mit dem Foto, dass ich die Finger davon ließ. Jetzt im Nachhinein würde ich das Tier Richtung Thamnophis ordinoides einordnen, die mit etwas Fantasie ja auch bläulich ist. Als ich EGSA-Mitglied wurde, bekam ich irgendwie Kontakt zu Daniel Grübner. Mein Wunsch ging in Erfüllung. Er versprach, mir Similis nach Hamm mitzubringen. Soweit so gut. Daniel übergab mir 1,2 junge Schlangen gut verpackt. Er fragte mich, ob ich mir die Tiere genau ansehen wollte. Ich verzichtete, und das war, wie sich später herausstellte, eine sehr schlaue Idee. Am gleichen Tag bekam Daniel, ich glaube von Martin Hallmen, zwei adulte Tiere in einem gut verspürten Stoffbeutel übergeben. Außer mir waren noch andere interessierte Zuschauer am Stand und Daniel fragte, ob wir die Tiere gern mal sehen wollten, denn die Babies sind meist kaum blau gefärbt. Wollten wir natürlich. Also wurde der Stoffbeutel geöffnet und alle machten lange Hälfte, um die Tiere zu sehen. Aber nicht nur wir machten lange Hälfte. Mit einem Satz sprang eines der adulten Tiere aus dem Stoffbeutel quer über den Tisch auf die Händlerseite der Tische, und trotz der vielen reptiliengeübten Hände wurde es erst am Ende der Tisch wieder eingefallen. Glück gehabt!
Zuhause stellte ich fest, dass die Biester wirklich verflixt schnell sind. Auch meine Tetrataenia waren als Jungtiere scheu, aber sie flohen vom Menschen weg in das Terrarium hinein. Die Similis hingegen sprangen auf mich zu und aus dem Becken heraus und das zu dritt und gleichzeitig. Da unsere Katzen Schlangen zum Fressen gern haben, leben alle Jungtiere zur Sicherheit in Becken mit Falltüren. Eine entkommene Schlange ist bei uns eine tote Schlange. Aber eine zwischen die Falltüren Geratene auch! Folgende Vorsichtsmaßnahmen erwiesen sich als hilfreich: bevor ich es wagte, das Becken zu öffnen, wurde das kleine Becken in ein großes Terrarium mit Schiebetüren gestellt, die ich so weit wie möglich schloss. Und ich musste garantiert bei jeder Fütterung eines der Babies aus dem großen Becken fangen. Aber immer noch besser als aus einem Wohnraum! Zweitens klemmte ich, wenn ich das Becken öffnete, eine Einmalspritze zwischen die Falltüren, sodass diese sich nicht ganz schließen konnte. Lieber eine entkommene Schlange als eine Erschlagene. Die Katzen bekamen während der Fütterung Raumverbot. So waren die zweimal wöchentlichen Fütterungen immer sehr ” abwechslungsreich ” für mich. Auf dem letzten jahrestreffen erzählte mir ein Mitglied, leider ist mir der Name entfallen, dass er die Türen seines Similis-Beckens nur über der verschlossenen Badewanne öffnet…
Apropos Fütterungen. Die Similis fressen sehr gut, um nicht zu sagen, sie sind extrem verfressen. Bevor mein melanistisches Weibchen in eine Maus beist, ist die Similis schon längst fertig. Beißereien untereinander hatte ich jedoch nie. Bei mir gab’s am Anfang nicht mehr als eine Babymaus und etwas Stint pro Nase zweimal pro Woche. Trotzdem wuchsen die Tiere sehr schnell. Dies hatte die angenehme Nebenwirkung, dass die Schlangen etwas langsamer und “griffiger” wurden, vielleicht war ich aber auch einfach inzwischen trainiert. Das Sicherheitsbecken konnte weggelassen werden, nur die Einmalspritze verwendete ich noch für eine längere Zeit. Und das Katzenverbot besteht noch heute.
Fast hätte ich’s vergessen: Sie schwimmen gern. Meine anderen Tiere liegen wohl auch einmal im Wasserbecken, aber richtiges minutenlanges Schwimmen sah ich bei den Similis das erste Mal. Deshalb bekommen sie schon als Jungschlangen möglichst große Wasserbecken. Inzwischen sind sie fast ausgewachsen und für ihre Verhältnisse ” zahm “. Sie bewohnen nun ein großes Becken mit Schiebescheiben und zwei sehr ruhigen Tetrataenia als Vorbild und lassen sich meistens artig greifen. Wenn man sie erstmal hat, waren sie in der Hand schon immer ruhig. Selbst das Eingeben einer Wurmkur war nie ein Problem. Wie gesagt, wenn man sie erstmal gefangen hatte. Sie fressen alles, was da ist. Egal welcher Fisch und ob Maus mit oder ohne Fell, auch Rattenbabies sind willkommen. Und sie sind wunderschön blau! Allerdings nicht ein so helles blau wie auf dem Foto, sondern ein dunkleres, aber genauso intensives blau. Dieses Jahr bekam ich von Daniel wieder zwei Jungtiere. Diese sind deutlich ruhiger, als die vom Vorjahr. Aber sie fressen genauso gut und wachsen ebenfalls sehr schnell. Im Moment sind sie allerdings erst schwach blau gefärbt. Aber ich weiß ja – das kommt noch. Also, Leute, lasst euch von der blassen Färbung der Jungtiere nicht abschrecken! Die Similis sind nicht nur wunderschön, sondern auch gut zu halten. Und formulieren wir es mal positiv: Sie trainieren die Reflexe…
„Meine Stinte freß’ ich nicht!”
Einiges über die „Suppenkaspare” unter den Schlangen
Erschienen in The Garter Snake April 2008
Glücklicherweise fressen unsere Strumpfbandnattern meistens gut bis zu gut, aber bei manchen Tieren, insbesondere bei den Herren der Schöpfung, lässt der Appetit manchmal zu wünschen übrig. Bei einigen Tieren bereitete mir das wochenlanges Kopfzerbrechen und die Lösungen waren so ungewöhnlich, manchmal so einfach, dass ich beschloss, mich genauer mit dem Thema Appetitlosigkeit zu befassen. Zunächst einmal der Versuch einer Definition: was ist Appetitlosigkeit? Wer seine Tiere gut kennt, weiß aus Erfahrung, wer mehr oder wer weniger frisst. Meine „Definition” ist folgende: Ich füttere Babies unter 10 Gramm Körpergewicht jeden zweiten bis jeden dritten Tag, bis 20 Gramm Körpergewicht zwei Mal pro Woche, wer schwerer ist, bekommt nur noch einmal wöchentlich so viel zu fressen, wie er mag. Ausnahmen hiervon sind für mich trächtige Weibchen und die „Suppenkaspare”, die bekommen weiterhin zweimal wöchentlich. Bei trächtigen Weibchen sollte man die Futtermenge allerdings begrenzen. Oft scheinen sie das Wort „satt” aus ihrem Wortschatz gestrichen zu haben. Oder anders formuliert: der Grenzwert dessen, was ein trächtiges Weibchen zu fressen vermag, geht gegen unendlich…![]()
Wenn ein Tier bei einer Fütterung nicht frisst, mache ich mir eine Markierung an das Becken. Frisst ein Tier zwei Fütterungen lang nicht, wiege ich es zur Kontrolle, schreibe das Gewicht auf und überlege, ob eine, ich nenne sie „natürliche” Ursache, in Frage kommt. Appetitlose Tiere wiege ich ab jetzt einmal pro Woche. Natürliche oder normale Ursachen, dass ein Tier nicht frisst, sind für mich die Zeit vor und während der Häutung (obwohl bei mir viele Tiere während dieser Zeit durchfressen), Weibchen zum Ende der Trächtigkeit und Neugeborene in den ersten Lebenstagen. Zugekaufte Tiere dürfen die ersten ein bis maximal zwei Wochen nicht fressen. Gerade Männchen ” vergessen ” während der Paarungszeit oft das Fressen, hier hilft oft kurzfristiges Trennen von den Weibchen. Ebenso kommt es im Herbst vor, dass die Tiere für sich beschließen, das ist nun Zeit für die Winterruhe ist und das Fressen einstellen. Alle diese Fälle sind unbedenklich und sie sind daran zu erkennen, dass die Tiere meist kaum oder gar nicht an Gewicht verlieren. Deshalb ist es gut, wenn man am Anfang der ” Ich fresse nicht “-Phase das Gewicht bestimmt. Das erleichtert später die Einschätzung. Beispiel: Wenn ein 300 Gramm-Weibchen 10 Gramm Gewicht verliert, spielt das sicher keinen Walzer. Bei einem 30 Gramm-Männchen sind 10 Gramm ein Drittel des Körpergewichtes! Und bei einem 15 Gramm-Jungtier….?
Kann ich die oben genannten natürlichen Ursachen ausschließen oder ist der Gewichtsverlust des Tieres deutlich oder ist es gar schon sichtlich abgemagert, wandert zunächst eine Kotprobe unters Mikroskop und das Tierchen bekommt einen B-Komplex verpasst. Weiteres hierzu unter dem Punkt „krankheitsbedingte Ursachen”.
Nun beginne ich als Nächstes die „haltungsbedingten Ursachen” auszuschließen. Erste und wichtigste Maßnahme: Temperaturkontrolle! Am besten mehrmals über den Tag verteilt und auch nachts die Temperatur im Terrarium überprüfen. Sowohl zu hohe, als auch zu niedrige Temperaturen führen zu Appetitlosigkeit, wobei ich letzteres immer noch viel zu oft bei Terrarianern, die mich um Rat fragen, feststellen muss. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Schlangen sind wechselwarme Tiere und für ihre Verdauung auf eine Körpertemperatur von etwa 30 Grad Celsius angewiesen! Eine eng damit verknüpfte Ursache für Nichtfressen kann die Tageslänge sein. Diese handhabt jeder Züchter ein bisschen anders. Eine genau jahreszeitlich und minütlich an die Natur angepasste Tageszeit ist sicher nicht notwendig, aber ich habe ein Tier, das ab unter 11 Stunden Tageslichtdauer sofort das Fressen einstellt. Ist die Temperatur okay, gehe ich weitere haltungsbedingte Ursachen durch: Hat das Tier genügend Versteckmöglichkeiten? Schon manches Tier fand durch eine Pflanze (künstlich oder echt) seinen Seelenfrieden wieder. Die Schlangen sollten auch mindestens eine Unterschlupfmöglichkeit unter der Lampe und eine im kühlen Bereich des Terrariums zur Verfügung haben.
Die Gesellschaft von Artgenossen kann sich positiv wie negativ auf den Appetit auswirken. Häufiger war bei mir bisher letzteres, gerade bei den Männchen. Und ehrlich gesagt: wenn ich als 50 Gramm-Männchen vor einem Buffet stehen würde und neben mir wäre ein 200 bis 300 Gramm-Weibchen (also die vier bis sechsfache Körpergröße) würde ich ihr auch scharmant den Vortritt lassen. Wird ein schüchternes Tier dann noch einmal gebissen, traut es sich erst recht nicht mehr ans Futter. Bei diesen Tieren bewirkt Einzelhaltung eine sofortige Besserung. Auch bei der Aufzucht von Jungtieren kommen solche Größenverhältnisse vor, weshalb es sich bei mir bewährt hat, die Babys während der Aufzucht immer mal wieder nach Größe zu sortieren. Einmal hatte Gesellschaft bei mir bisher den umgekehrten Effekt. Ich bekam ein Windfang-Männchen, das bei Futtergabe immer aufgeregt durchs Becken kroch, aber das Futter nicht zu finden schien. Ich setzte ihn zu einem bereits eingewöhnten Tier und er schaute sich offensichtlich ab, wo es Futter gab. Von da an fraß er ganz normal. Noch ein Anekdötchen, was auch gut zum letzten Punkt „ungewöhnliche Ursachen” passt. Ich habe die schlechten Fresser zu einer „Suppenkaspar-Gruppe” zusammengefasst. Stelle ich ihren Napf so, dass er mit dem Napf im Nebenbecken quasi Scheibe an Scheibe steht, fressen sie…
Wie oben bereits erwähnt, kann intensiver Weibchenduft Männchen in der Paarungszeit das Fressen „vergessen” lassen. Eine weitere haltungsbedingte Ursache ist zumindest theoretisch die Luftfeuchtigkeit, dies scheint aber mehr für andere Schlangen, insbesondere Regenwaldbewohner, wichtig zu sein. Wer ein Tier neu dazu kauft, tut gut daran, sich genau nach der Haltung zu erkundigen, sie sich nach Möglichkeit anzusehen. Auch nach der Art der Fütterung sollte man sich erkundigen. Futternapf = Futternapf? Für die meisten Strumpfbandnattern sicher, aber nicht für alle! Am Anfang fütterte ich alle meine Schlangen von Weckglasdeckeln, gut zu reinigen und schön flach. Als allerdings 20 und mehr Schüsselchen nach jeder Fütterung zu waschen waren, war das schon etwas mühsam. Bei Alan Francis sah ich eine für mich optimale Alternative. Kleine Stücke von Pappkartons. Etwas anfeuchten, Futter drauf, nach der Fütterung in die Biotonne. Sehr praktisch! Allerdings stellten drei der Mädels sofort das Fressen ein. Erst nach ein bis zwei Wochen begriff ich, dass das mit der Napfumstellung zu tun haben musste. Bis heute fressen diese Tiere nur von „ihren” Weckglasdeckeln. Ebenso fressen Tiere, die Pinzetten-Fütterung gewöhnt sind, oft nicht aus einem Napf und umgekehrt! Weiteres zum Thema “wie füttere ich” unter dem Punkt ungewöhnliche Ursachen.
Kommen wir nun zum Thema „krankheitsbedingte Ursachen” für schlechtes Fressen. Die Top Ten der krankheitsbedingten Ursachen führen zum einen Vitamin-B-Mangel (vor allem B1, aber nicht nur) und Parasiten jedweder Art an. Wie bereits oben erwähnt, lege ich schon am Anfang der Nahrungsverweigerung eine frische Kotprobe, einfach mit Wasser oder isotoner Kochsalzlösung vermischt unters Mikroskop. Tierärzten werden sich die Haare sträuben, aber für uns Schlangenhalter gibt es eine einfache Regel: Im Kot hat sich nichts zu bewegen, basta. Bewegt sich etwas, das wie ein Wurm aussieht, ist das nicht schön, aber nicht extrem gefährlich. Bewegt sich etwas, was nicht wie ein Wurm aussieht, handelt es sich entweder um Flagellaten oder Amöben, egal was, Lebensgefahr! Also entweder sofort zu einem reptilienkundigen Tierarzt oder, hat man genug Erfahrung, selber behandeln. Vorsicht, das Medikament muss genau nach Körpergewicht dosiert werden! Auch der krabbelnde Wurm muss natürlich schnellstmöglich behandelt werden, aber hier hat man eher noch einige Tage Zeit. Sieht man selber in der Kotprobe nichts, ist jetzt trotzdem der Zeitpunkt gekommen, einem reptilienkundigen Tierarzt eine Kotprobe zu bringen (notfalls von einem Tier aus dem gleichen Becken) oder selber eine einzuschicken. Findet man bei einem Tier in einem Gemeinschaftsbecken irgendwelche Parasiten, haben es die anderen mit Sicherheit auch! Wo wir gerade beim Thema Parasiten sind: auch Schlangenmilbenbefall führt oft zu Appetitlosigkeit.
Vitamin-B1-Mangel habe ich in der TGS 02/06(Nummer 38) genauer erklärt, aber auch ein Mangel an anderen B-Vitaminen führt zu Appetitmangel. Dann allerdings sorgt die oben erwähnte Gabe eines B-Komplexes für sofortige Besserung. Direkt und indirekt bewirkt ein Mangel an Vitamin C, A, D und E Appetitlosigkeit. Durch Mangel an diesen Vitaminen wird das Immunsystem geschwächt, was der gefürchteten Maulfäule oder einer Lungenentzündung den Weg ebnet. Ist es so weit gekommen, kann nur optimale Haltung und sorgfältigste Therapie das Tier retten.
Kommen wir nun zum Thema „ungewöhnliche Ursachen” für Nichtfressen, was auch wieder einige Maßnahmen dagegen einschließt. Im Prinzip gehören sie zur Rubrik haltungsbedingte Ursachen, aber sie sind eben ungewöhnlich. Dass die Art des Futternapfes eine Rolle spielen kann, habe ich oben schon erwähnt. Es ist egal, wo im Becken man den Futternapf hinstellt? Oft ja, aber nicht immer! Es ist immer einen Versuch wert, den Futternapf direkt vor das Versteck des Tieres zu stellen und dann den Raum zu verlassen. Sozusagen Essen ans Bett. Manche Tiere fressen nur, wenn sie sich unbeobachtet glauben. Diese Tiere muss man dann meist einzeln halten. Bis sie sich zum Fressen entschlossen haben, haben ihnen die anderen Tiere alles weg gefressen. Eine Möglichkeit ist es auch, die gierigen Fresser in ein Fütterungsbecken umzusetzen. Hat das scheue Tier dann auch gefressen, setzt man den Rest wieder zurück.
Dass die Art des Futters eine Rolle spielt, leuchtet ein, auch der Unterschied zwischen Tod- und Lebendfütterung ist für uns Menschen noch logisch. Also probiert man tote und lebende (Baby-)Mäuse und -Ratten, verschiedene (Süßwasser-)Fische, ein Geheimtipp sind noch lebende Regenwürmer. Viele Strumpfbandnattern fressen sie gerne. Auch ein Versuch mit Insekten, Insektenlarven oder auch Katzenfutter (Achtung! Nicht für regelmäßige Fütterung geeignet!) lohnt sich. Aber auch die Größe der Futtertiere kann eine Rolle spielen. Eines meiner Weibchen liebt Babymäuse, aber sobald diese auch nur wenig beharrt sind, frisst sie sie nicht. Sie sind ihr wohl zu stachelig. Gerade bei Jungtiere spielt es auch eine Rolle, wie groß bzw. klein die Futterbrocken sind. Als Faustregel gilt: kleiner als der Kopf der Babyschlange und die Futterstücke „mitwachsen” lassen. Achtung beim Übergang zu ganzen Futtertieren. Schon manches Tier bevorzugte bei mir die mundgerechten Happen. Als Geheimtipp hier: den Kopf der Babymaus öffnen, sodass etwas Gehirnmasse austritt.
Maus = Maus und Fisch = Fisch? Mitnichten! Das Forelle anders schmeckt als Stint leuchtet ja noch ein. Aber auch Stint ist nicht gleich Stint. Sehr oft ist beim Kauf neuen Futters der Fisch verschieden groß bzw. alt. Manchen Schlangen ist das egal, manchen nicht. Es ist deshalb empfehlenswert, schon dann neues Futter zu bestellen, wenn man noch genügend Altes für eine Umstellung übrig hat. Stellt man fest, dass der Stint anders ist als vorher, bleibt noch genügend Zeit, durch vermischen beider Chargen die Schlangen an den neuen Geschmack zu gewöhnen. Ich selber entdeckte einmal höchst erfreut einen Mäusezüchter, wo ich meine gefrorenen Baby-Mäuse 30 € günstiger bekam. Als Problem ergab sich nur, dass fast die Hälfte meiner Schlangen diese Baby-Mäuse aus Gründen, die ich nicht verstehe, nicht mochte. Kennt man die Schlange nicht oder hat kein geeignetes Futter zum Verwittern zur Verfügung, kann man es mit lebenden oder toten Regenwürmern probieren. Vom Gesetz her nicht(!!!) erlaubt, aber eine Notlösung ist das Hersteller von „Froschwasser”. Einen überfahrenden Frosch mit Wasser in einem Mixer zerkleinern, dieses Wasser in einem Eiswürfelbehälter einfrieren. Damit kann man das Futter dann „aromatisieren”. Diesen Tipp habe ich aus dem Buch „Ernährung von Schlangen” von Dieter Schmidt und Kriton Kunz. Es soll gut funktionieren, bei mir haben bisher immer Regenwürmer dem gleichen Zweck erfüllt.
Bei eher aggressiven Tieren gibt es noch einen Trick. Stupst man sie behutsam mit einem Futtertier in die Seite, reagieren sie oft mit einem Abwehrbiß und erwischen dabei das Futter. Auch die Tageszeit kann bei der Fütterung eine Rolle spielen. Das man ein dämmerungsaktives Tier abends und ein Tagaktives tagsüber füttern sollte, ist eigentlich logisch, wird aber oft falsch gemacht. Bei zugekauften Tieren ist es ratsam, sich beim Vorbesitzer nach der Tageszeit der Fütterung zu erkundigen. Manchmal ist das der Unterschied der den Unterschied ausmacht. Sicher habe ich hier noch nicht alle „ungewöhnlichen” Ursachen erfasst. Ist man nun mit seinem Latein am Ende, bleibt einem nichts anderes übrig, als zu einer Zwangsfütterung überzugehen. Dieses sollte man sich unbedingt von einem reptilienkundigen Tierarzt oder erfahrenen Schlangenhalter zeigen lassen. Hier nur einige wenige Punkte dazu. Man kann die Tiere mit ihrem natürlichen Futter, also Fisch oder Maus, zwangsfüttern, dabei besteht aber gerade bei kleinen Tieren die Gefahr, dass man sie entweder verletzt oder dass sie nicht genügend Luft bekommen und ersticken. Andererseits gewöhnen sich die Tiere so an das Futter. Bioserin oder Boviserin als flüssige Alternativen sind leider zum Teil nicht mehr zu bekommen. Ich selber benutze flüssige Aufbaunahrung für Menschen. Diese hat den Vorteil, dass ich genau abschätzen kann, wie viel davon ich dem Tier eingeben muss. Mehr darüber im nächsten Artikel.
Quellen
Dieter Schmidt und Kriton Kunz: Ernährung von Schlangen
Martin Hallmen und Jürgen Chlebowy: Strumpfbandnattern
Dr. L Ackermann: Atlas der Reptilienkrankheiten
Empfohlene und verwendete Literatur
Rossmann, Douglas A., Neil B. Ford und Richard A. Seigel
The Garter Snakes – Evolution and Ecology
Hallmen, Martin und Chlebowy, Jürgen
Strumpfbandnattern
Mutschmann, Frank
Strumpfbandnattern – Biologie, Verbreitung, Haltung
Dr. L. Ackermann
Atlas der Reptilienkrankheiten Bd. 1 und 2
Burgerstein, Lothar, Dr. Michael Zimmermann, Hugo Schurgast
Burgersteins Handbuch Nährstoffe
Biesalski, Hans Konrad, Köhrle, Josef und Klaus Schümann
Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe